Donnerstag, 17. November 2016

Throwback Thursday: Metallica "Lulu"

Am Freitag erscheint das neue Album von METALLICA, das auf den Namen "Hardwired... To Self-Destruct" getauft wurde. Es ist das erste Album seit "Death Magnetic" aus dem Jahre 2008 - Moment! Gab es dazwischen nicht noch ein anderes Lebenszeichen der Bay-Area-Thrasher? Ein Album, das man mit dem inzwischen verstorbenen Lou Reed aufgenommen hat? Ein Album, das man gerne vergessen will - vor allem METALLICA selbst? Auch wenn die Musiker es vergessen wollen, erinnern sich viele Metaller noch sehr lebhaft an den Stinker, der vor fünf Jahren auf den Markt geworfen wurde. In Einstimmung auf den neusten Release, werfe ich einen Blick darauf zurück, indem ich ein Review zu "Lulu" auspacke, das ich seiner Zeit für powermetal.de verfasst habe.
Stellt euch vor es gäbe eine Hölle, wie sie die Bibel beschreibt. Mit Teufel, Feuer und Dämonen. Was denkt ihr wäre die perfekte Folter für jeden Freund guter Musik? Welches Album wäre so schlimm, dass es an Unhörbarkeit kaum zu überbieten wäre und der Satan selbst es nur mit der Kneifzange anfassen würde?Die Antwort ist einfacher und kürzer als ihr denkt, denn sie lautet schlicht: "Lulu" - Hinter diesem unscheinbaren Namen verbirgt sich der neuste musikalische Terroranschlag von METALLICA, die sich zu allem Überfluss mit LOU REED vereint haben.
Viel wurde im Vorfeld über diese Scheibe diskutiert und jedes neue Detail genau beäugt. Bereits als die ersten Soundschnipsel herauskamen, äußerten sich Musiker-Kollegen wie Adrian Erlandsson (u. a. PARADISE LOST, VALLENFYRE) oder auch DANKO JONES kritisch und der Letztgenannte hat dieser Tage sogar verkündet wegen "Lulu" seine METALLICA-Sammlung verscheuern zu wollen.
Als unbedarfter Hörer mag man zwar naiverweise glauben, dass Rock-Titanen wie METALLICA und Reed zusammen eigentlich kein schlechtes Album abliefern könnten, aber die fünf Männer beweisen uns gerne das Gegenteil.
Schon der erste Song 'Brandenburg Gate' verschwendet keine Zeit damit, den Hörer zu irritieren. Gleich in den ersten Zeilen spricht Reed davon sich die Beine und Titten abschneiden zu wollen und schwadroniert über Frankenstein-Darsteller Boris Karloff. Die Gitarren dazu sind seltsam vertrackt und klingen schon fast nach Sludge oder Stoner Rock, wollen sich dabei so gar nicht in den Song einfügen. Man weiß so gar nicht, was damit anfangen soll. Spaß beim hören hat man jedenfalls keinen.
Da hofft man natürlich, dass Lied zwei vielleicht mehr zu unterhalten weiß, aber nichts da. Das bereits vorab veröffentlichte 'The View' ist ein ebenso katastrophales Armutszeugnis. Mister Reed verzichtet darauf zu singen und lallt lieber wie ein besoffener Johnny Cash mit fortgeschrittener Demenz ins Mikrofon. Da haben auch die Bay-Area-Helden wenig Lust sich Mühe zu geben und beschränken ihr musikalisches Engagement auf ein Miniumum. Drei Riffs, das muss reichen.

Allerdings geben Lars Ulrich und Co noch nicht ganz auf und versuchen im weiteren Verlauf (zumindest teilweise) zu retten, was zu retten ist. So sind bei 'Pumping Blood' tatsächlich ein paar gute (Stoner-)Riffs dabei und auch bei 'Mistress Dread' und 'Iced' Honey' gibt es sogar die eine oder andere Passage, wo man sagen könnte: Die ist gelungen. Denn ein paar Gesangsanteile darf James auch noch beisteuern und man vergisst doch tatsächlich für ein paar Sekunden, das Lou überhaupt existiert. Von langer Dauer sind diese Lichtblicke aber selten. Man will ja avantgardistisch sein und wagt deswegen völlige überflüssige Experimente mit Akzenten aus Grunge und Alternative. Außerdem erwacht der alte Herr Reed immer wieder aus seinem Delirium, um uns mit nervigen und kryptischen Texten zu belästigen. Man muss wohl Kunst studiert haben (insbesondere deutschen Expressionismus, an den das Machwerk nämlich angelehnt sein soll), um Bilder wie >Lexikon of Hate< oder >Spermless Girl< zu verstehen. Das mag vielleicht ein paar drogenabhängigen THE-DOORS-Fans gefallen, die auf übertrieben spacige und bizarre Songstrukturen stehen, aber der normale Rock-Fan findet solchen Mist wie man ihn zum Beispiel in 'Frustration' geboten bekommt einfach nur (und passend dazu) frustrierend.
Dieser lechzt höchstens nach den paar hard-rockenden Ausbrüchen, die sich im viel zu langen 'Dragon' (es dauert über elf (!) Minuten) hinter Reed-Gestammel und Möchtegern-Acid-Rock verstecken. Doch auch diese paar Momente Metal sind nur im Vergleich relativ gut. Verglichen mit allem anderen was METALLICA bisher abgeliefert hat (sogar Sankt Ärgernis eingeschlossen), sind diese Passagen vielleicht noch gerade so Mittelmaß.

Die größte Frechheit haben sich die Amis aber bis zum Ende aufgespart und präsentieren den längsten Filler-Track aller Zeiten. 'Junior Dad' ist ein Tritt in den Hintern und eine Ohrfeige für jeden Fan der beiden Künstler. Fast 20 (!!) Minuten geballte Langeweile prasseln auf den Hörer nieder. Ruhig und gemächlich wabern verstörende Gitarren, die in Wirklichkeit einfach nur schrecklich klingen vor sich hin und fassen alle negativen Punkte des gesamten Doppel-Albums noch einmal zusammen. Lou stammelt unbeirrt vor sich hin und ansonsten passiert eigentlich nichts. Im Ernst: es passiert rein gar nix. Ab Minute fünf entwickelt der Track sich absolut nicht weiter und scheint in einer Endlosschleife gefangen zu sein, die aus weit, weit entfernten Streichern (?) und knarzigen Distortion-Geräuschen besteht. Wenn man mich fragt ist das Betrug am Fan und an jedem, der sich das antun muss.
Deswegen bleibt insgesamt auch kaum etwas anderes übrig als jeden davor zu warnen diese akustische Frechheit auch nur eines Blickes im Kaufhaus zu würdigen. Schaut nicht hin, geht weiter oder rennt weg. Es ist besser für euch! "Lulu" ist so ziemlich das Schlimmste, was 2011 auf den Markt geworfen wurde. Das wird zumindest MORBID ANGEL freuen.
Lest viele weitere Reviews bei Powermetal.de.

1,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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