Mittwoch, 30. November 2016

CD-Review: Black Hole Generator "A Requiem for Terra"

Wenn ein Typ mit Kuhkopf im Schneidersitz-sitzend das Cover-Artwork ziert, dann kann man sich sicher sein, dass die vorliegende Scheibe bestimmt kein stinknormales Extreme-Metal-Album ist. BLACK HOLE GENERATOR ist zwar eine norwegische Schwarzheimer-Kapelle, aber ist experimentierfreudiger als andere Landsmänner. "Experimentierfreudig" ist in diesem Fall allerdings Understatement. Die gerade erschienene, zweite Scheibe "A Requiem for Terra" geht problemlos als Vertreter des Avantgarde Black Metal durch. Deswegen widmen wir uns in der Folge auch durchaus ernsthaft der Frage: ist das Kunst oder kann das weg?
Schon die irren Bandfotos weisen Mastermind Bjørnar Nilsen als einen sehr speziellen Menschen aus. Debil bis wahnsinnig grinsend schaut der bärtige Mann mit aufgerissenen Augen in die Kamera, während Haken in seine Haut getrieben sind und an ihm zerren (was allerdings nach einem Effekt aussieht). Musikalisch sind die Riffs, die Kollege Dreggen beisteuert, sehr stark vom typisch frostig wabernden Stil der norwegischen Szene beeinflusst, aber scheuen sich auch nicht davor zu improvisieren und in eine wilde, progressive Raserei zu verfallen (wie man es bei 'Moloch' schön beobachten kann). Gesanglich wiederum lässt sich Bandchef Bjørnar ebenfalls nicht lumpen und operiert mit Screams, epischen Arien und einem leicht gestörten Sprechgesang á la LIFELOVER (alles zu hören in 'Beneath A Chemical Sky'). Bei soviel Stilbrüchen ist man glücklich, dass in Liedern wie 'Emerging Pantheon' zumindest die erste Hälfte über einfach nur hemmungslos geprügelt wird. Im Ernst, ich habe das Gefühl, dass das vorliegende Duo ursprünglich sieben homogene Titel geschrieben hat, die entweder brutal, verwirrt oder episch waren, und erst kurz vorm Gang ins Studio alles in Fragmente zerlegt und neu-zusammengesetzt hat. Dennoch machen die Lieder auf ihre abgedrehte Art und Weise auch wieder Sinn. Allerdings heißt das nicht, dass sie auch durchgängig Spaß machen oder reizvoll wären. Denn oft nutzt man verschiedene Schichten von Melodien und Sounds (siehe 'Spiritual Blight'), die nicht zwangsläufig harmonieren müssen beziehungsweise so ausgewählt wurden damit sie gerade Dissonanzen ergeben. Das kann man als künstlerisch wertvoll erachten - aber Kopfschmerzen verursacht es auf Dauer (bei mir) trotzdem. 
Alles in allem ist "A Requiem for Terra" von BLACK HOLE GENERATOR ein - nennen wir es - interessantes Album, das auf höchster Drehstufe BURZUM, VANHELGA und PRIMORDIAL durch den Mixer jagt, um daraus den etwas anderen Black-Metal-Smoothie zu kreieren. Die Zutaten gefallen mir eigentlich sehr gut - aber die Arrangements bereiten mir wirklich Bauchschmerzen, denn es gibt keinen Song, den ich ohne Beanstandung durchwinken kann. Wenn irgendwo der Begriff "Mixed Bag" gepasst hat, dann definitiv hier. Wer mutig ist, kann sich gerne an diesem Werk versuchen, aber die Norweger sind sicherlich keine leichte Kost für jedermann. 
Nichtsdestotrotz man sich seit dem 18.11.2016 dieses Werk bei Dark Essence Records abholen.

5 von 10 Punkten

[Adrian]

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