Montag, 14. November 2016

Angehört: Ill Neglect - Lambs "Trisma"

Wir hatten lange keine Split mehr im Aufgebot! Deswegen und weil ich scheinbar Lust auf Selbstgeißelung habe, schmeiße ich die anstehende Kollaboration von ILL NEGLECT und LAMBS in den Player. "Trisma" dauert zwar nur knapp 12 Minuten, aber ist das akustische Äquivalent zu 300 Jahren spanische Inquisition. Es ist qualvoll hier zu zuhören - aber kann Schmerz nicht auch etwas Schönes sein? Lasst uns diese Frage in der Folge erörtern.

Den Anfang auf dieser Sieben-Zoll machen die Trierer von ILL NEGLECT. 2015 hat sich dieser wilde Haufen zusammengefunden, um völlig zusammenhangslosen Grind, Crust und wirren Sludge der ganz alten Schule zu spielen. Mit viel Fantasie ergeben die beiden Titel 'Cold Turkey' und 'Permanent Euphoria' irgendwie Sinn. Wenn sie es für euch nicht tun, dann ist es auch in Ordnung. Ziel der beiden Titel ist es unbequem, abartig und bizarr zu wirken. Das Ziel würde ich als erfüllt ansehen. Hätten NAPALM DEATH Mitte der 80er zusammen mit SLEEP zugedröhnt gejammt - das Ergebnis hätte ähnlich klingen können.

Die italienischen Kollegen von LAMBS wiederum stehen den deutschen Genossen in Sachen Absurdität kaum in etwas nach. Struktur sucht man auch hier vergebens und klammert sich in seiner Not  am wütenden Gesang von Fronter Cristian, der bei dem krassen Wechsel vom ungezähmten Crust-Gulash auf erkaltende Sludge-Magma wie eine Klammer wirkt. Gerade in den lava-artigen Momenten von 'Unfeeling' entfaltet dieser Dreher seine Stärke und verfällt geradezu in eine schwarz-metallische Stimmung. 
Insgesamt sind alle vier Titel eine Kakophonie aus Geräuschen, die von einer alles überschattenden Entropie erfüllt sind. Eigentlich darf so etwas nicht funktionieren - und wird auch für die meisten Hörer nicht funktionieren. Wenn man allerdings abgestumpft und abgefuckt genug ist, wie man es zwangsläufig wird, wenn man jahrelang und fast täglich Promos aus dem metallischen Underground hört, dann kann "Trisma" tatsächlich einen Nerv treffen. ILL NEGLECT und LAMBS nehmen sich nicht viel und bewegen sich auf einem ähnlichen genialen oder wahnsinnigen Niveau - je nach Sichtweise. In jedem Fall tut dieser Release weh - aber in einer stimulierenden Art und Weise, die Masochisten in Ektase versetzt.

Passend zum Sound beider Bands ist das Release-Date ähnlich vage gewählt und wurde auf den Winter 2017 festgesetzt. Und es ist auch gleich ein ganzes Rudel an Labels an dieser Veröffentlichung beteiligt. Mit von der Partie sind Wooaaargh, Drown Within Records, Earthquake Terror Noise, 5 Feets Under, Aktiver Aus Stand in Plastic, Hackebeil und Abekeit - um nur die Wichtigsten zu nennen.

[Adrian] 

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