Samstag, 15. Oktober 2016

Live-Review: L.E. Metal 2016

Laubuseschbach ist ein kleines Dorf am Nordhang des Taunus, es ist Teil der Gemeinde Weilmünster im Kreis Limburg-Weilburg und zeichnet sich durch die beliebte Apfelwein-Kelterei Heil aus. Mit Metal bringen es die meisten Menschen dagegen nicht direkt in Verbindung, auch wenn in den 2000ern hier einige denkwürdige Konzertabende gefeiert wurden. Die etwas eingeschlafene metallische Tradition wollen die aus der Region stammenden Heavy-Metaller von BLIZZEN wiederbeleben und haben mit der aktuellen Veranstaltung L.E. Metal einen weiteren Schritt in diese Richtung getan.
Daniel von Deceiver (Foto: Adrian)
Denn vergangenen Freitag wurde die Harmoniehalle, die durch ihren gesamten Look wie aus der Zeit gefallen wirkt, zum Schauplatz eines amtlichen Stromgitarrenabends mit drei spielfreudigen Truppen.
Den Anfang machen dabei die Kalkwerker von DECEIVER, die mit einer guten halben Stunde Verspätung die Stage entern. Das Hardrock-Quintett ist momentan viel unterwegs auf den lokalen Bühnen und erspielt sich gerade einen Ruf als energetische Live-Band. Besonders Sänger Daniel bewegt sich unheimlich viel auf und neben der Bühne, kommuniziert mit dem Publikum und macht ganz nebenbei noch einen unheimlich guten Job am Mikrofon. Allerdings ist das Publikum heute etwas schwierig zu knacken. Wirklich viel Lust auf Engagement haben die meisten Besucher scheinbar nicht. Das liegt zum einen vielleicht daran, dass sich die etwa 70 Besucher in der großen Halle zu
Deceiver: Tobi beim Posieren (Foto: Adrian)
sehr verteilen und zum anderen daran, dass es eben nur 70 Besucher sind. Die eigene Laune lassen sich die Limburger davon aber nicht vermiesen und sorgen mit Tracks wie 'Enter The Nightmare', 'Dragonfire' oder 'Purgatory' für eine klassische Schwermetallatmosphäre, die die Jungs mit tollen Soli und herrlichen Melodien angenehm veredeln. Zurecht fordert man hier eine Zugabe und erhält diese auch umgehend.

Im Anschluss heben die Herren von ERASERHEAD den Härtegrad des Abends ordentlich an und sorgen mit traditionsbewusstem Death Metal für die richtige
Chris von Eraserhead (Foto: Adrian)
Portion Hass am heutigen Tag. Vor kurzem ist ihr Debütalbum "Remnants Of Decadence" erschienen und dementsprechend bekommt das anwesende Publikum viel Material davon zu hören. Der ultra-sympathische Frontmann Chris leitet jeden Song mit einer kleinen Anekdote ein und wird dabei wieder und wieder freundschaftlich von BLIZZEN geneckt, die sich den Auftritt aus dem Publikum heraus anschauen. So echauffiert sich BLIZZEN-Sänger Stecki im Spaß darüber als man ein Bier auf der Bühne
Eraserhead beim Abriss (Foto: Adrian)
öffnet und der Deckel auf der Stage liegen bleibt. "Das räumst aber noch schön weg, ich muss auf der Bühne gleich noch spielen!", scherzt er herum. Auch musikalisch spielt der Headliner des heutigen Abends bei ERASERHEAD eine Rolle - so covert man 'Peace For The Weak' und übersetzt den Heavy-Rocker in den eigenen Extreme-Metal-Stil. Ein weiteres Highlight auf der Setlist ist neue Song 'Blood Stains' (oder so ähnlich), der sich gut ins restliche Liedgut einfügt. 

Wie im Flug vergeht die Zeit und die Zuschauer tauen im Verlauf mehr und mehr auf - auch wenn ich den Eindruck habe, dass BLIZZEN im Publikum für den meisten Alarm gesorgt haben. Natürlich endet auch dieser Gig mit einer Zugabe, die noch einmal für mächtig Stimmung im vorderen Bereich vor der Bühne sorgt. Nach einer kurzen Umbaupause geht es mit dem Hauptgang weiter. 
Stecki von Blizzen (Foto: Adrian)

Die Lokalmatadore von BLIZZEN kommen aus der Region in und um Weilmünster
Andi von Blizzen (Foto: Adrian)
und werden dementsprechend heiß erwartet. Aber man kennt die Old-School-Kapelle inzwischen auch bundesweit und so hat sich sogar ein weiblicher Fan aus dem Osten der Republik im Publikum eingefunden. Und das keineswegs zu Unrecht! Denn BLIZZEN hat heute so richtig Bock auf diesen Gig und spielt so ziemlich alle Songs, die sie aktuell im Repertoire haben - ergänzt um ein Cover von JUDAS PRIEST. Die Spielzeit ist entsprechend lang, aber niemals langweilig. Die eingeschworenen BLIZZEN-Fans versammeln sich in der ersten Reihe und lassen die Birnen kreisen. Auch unterstützen sie ihre Kapelle als denen das Bier auf der Bühne ausgeht und so füttert man die Saitenhexer mit Pils während sie Riffs und Soli abfeuern. Ähnlich wie Chris von ERASERHEAD ist auch der BLIZZEN-Fronter sehr gesprächig, gibt einige witzige Ansagen zum Besten
Blizzen: Gitarrenduell mit Andi und Marvin
(Foto: Adrian)
und nimmt auch Pannen wie den doppelt-verpatzten Beginn bei 'Hounded For Good' mit Humor. Bei 'Peace Is For The Weak' meldet sich wiederum ERASERHEAD zu Wort und sagt augenzwinkernd, dass man dieses Stück heute schon besser gehört habe. Wie bereits gesagt, werden heute restlos alle Songs des Headliners rausgehauen, aber auch nach der offiziellen Zugabe, fordert der harte Kern der Besucher immer noch mehr. Allerdings bleibt nichts mehr offen, was gespielt werden könnte und Stecki besänftigt die Menge damit, dass man gleich an der Theke zusammen weiter trinken kann.

Insgesamt ein rundum gelungener Abend, den uns die drei Bands da beschert haben. Schade nur, dass nicht mehr Metaller den Weg nach Laubuseschbasch gefunden haben, denn die Harmoniehalle hat einen sehr eigenen Charme und die Getränke gibt es quasi zum Selbstkostenpreis. Hier lohnt sich die Fahrt in den Taunus. 
Alle Videos von diesem Abend kann man sich übrigens hier anschauen.

[Adrian]

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