Dienstag, 20. September 2016

CD-Review: VAyL "Eclipse The Sun"


Da ich VAyL niemals so schön einleiten könnte, wie es die Band selbst in ihrem Beipackzettel tut, überlasse ich im Teaser zu "Eclipse the Sun" den Berliner Stoner-Trio selbst das Wort: Zusammen zaubern die Drei ein akustisches Armageddon und schicken einen Ohrwurm nach dem anderen ins Rennen. Ein groovig-melodischer Bass gibt sich die Bro-Fist mit donnernden Drums. Brachiale Gitarrenriffs lassen sowohl den Slo-Mo als auch den Thrascher (sic) bangen und mit etwas weniger "LaLaLa" und etwas mehr "Hell Yeah Baby" verkünden die Vocals die Worte VAyL's: "Go with the Goat!"

Das sind ganz schön markige Worte, die in der Band-Biographie von noch mehr

Wortmalerei unterstützt werden. So heißt es weiter im Waschzettel: "Gegründet 2012 in Berlin, lässt es das Trio von VAyL mit lautem Stoner-Metal ordentlich krachen. Das Ganze kommt in einem  postapokalyptischen Szenario verpackt unter dem Zeichen des "Goatfly", einem geflügelten Ziegenbockschädel." Hörner und H-Bomben? Meine Neugier ist geweckt! Aber was heißt das konkret? Auch diese Frage beantwortet man im weiteren Verlauf des 11-seitigen PDFs selbst: "Auf der Bühne darf das dampfende Atomfass nicht fehlen. Am Merchandise gibt es neben dem traditionellen Sortiment auch ein selbstgebautes Glücksrad (das VAyL-Wheel) und eine als Gasmaskensoldat verkleidete Schaufensterpuppe die Nebel versprüht."
So sieht es auf der Bühne auf (Quelle: facebook.com/vaylrock/)
 - Na gut, ein Foto hätte es an dieser Stelle auch getan und wäre auch anschaulicher gewesen. Aber lesen wir erst einmal weiter: "Diese (Puppe) taucht unter anderem auch in den Releases auf. Dem DIY Debütalbum "The Circles End" (2013) zum Beispiel liegt ein Comic mit der Geschichte von Billy D. Matthews bei, der als Hausmeister im Atomkraftwerk der fiktiven Wüstenstadt Tripston City sein erstes, großes Abenteuer erlebt und auch sonst wird der Faden im Bandimage, Musikvideos, Songtexten, Bühnenbildern und allen folgenden Releases weitergesponnen. VAyL erschafft somit einen eigenen Mikrokosmos und baut diesen immer weiter aus." - Auch das klingt alles sehr interessant. Allerdings fällt auf, dass die Bio sich in erster Linie mit dem visuellen Konzept, optischem Beiwerk und inhaltlichen Ideen auseinandersetzt. Was mit der musikalischen Vision? Die wurde zwar in der Einleitung mit jeder Menge Euphemismen umschrieben, aber was steckt tatsächlich hinter VAyL? 

Wenn man die Berliner nur auf Grundlage dieser 27-Minuten-EP beurteilt, kann man sagen, dass sie soliden Stoner Metal spielen, der seine Stärken und Schwächen hat. Auf der Habenseite kann ein fetter Groove und ein herrlicher Desert-Rock-Vibe verbucht werden, der dem Genre-Anspruch durchaus gerecht wird. Man schießt zwar nicht den Vogel ab, muss sich aber andererseits auch nicht verstecken. Dann gibt es aber auch den Gesang - der Geschmackssache ist, wenn man es nett ausdrücken will. Screamo-Shouts und Grunge-Gegurgel muss man halt mögen. 

Insgesamt ist das Dargebotene nicht schlecht - aber auch bei Gott nichts besonderes. Da kann man verstehen, wenn im Info-Blatt lieber über Image und Bühnendekoration spricht als die Musik zu beschreiben. Donnernde Drums? Geht so. Brachiale Gitarrenriffs? Da habe ich schon heftigeres gehört. Da bangt der Thras(c)her? Das will ich sehen. "Eclipse The Sun" ist zwar nicht schlecht, aber auch weit entfernt davon herausragend zu sein. Es ist in Ordnung, wenn man VAyL in einem Jugendzentrum für fünf Euro zusammen mit drei anderen Bands anschauen kann. Für mehr reicht es bisher allerdings nicht.
Ab 1. Oktober kann man sich aber die neue Scheibe sowohl als Tape, CD oder digitalen Download bei der Gruppe selbst besorgen.

5,5 von 10 Punkten

[Adrian]  

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