Donnerstag, 17. Dezember 2015

Throwback Thrusday: Death "Individual Thought Patterns"


Es ist Donnerstag und es steht bereits die vor-vorletzte Platte an, die es in diesem Dossier zu erwähnen gilt.  "Individual Thought Patterns" fehlt es an Beachtung. Abseits von 'The Philosopher', zu dem es auch ein Video gibt, wurde das 1993er Album von DEATH viel zu selten wertgeschätzt und das wollte ich mit meinem Review von 2011 ändern. Deswegen lohnt sich ein erneuter Blick auf diese unterschätzte Scheibe.

Bei den Arbeiten zum fünften DEATH-Album "Individual Thought Patterns" ist Chuck Schuldiner angepisst. Richtig angepisst. Übersetzt ins deutsche heißt der Titel der Platte soviel wie "individuelle Denkmuster" und mit diesen rechnet Schuldiner hier gnadenlos ab.

Bereits im ersten Track 'Overactive Imagination' richtet er sich gegen Menschen, die lügen, manipulieren und heucheln. Gemeint sind damit in erster Linie Journalisten (laut eigener Aussage vor allem Rock-Hard-Reporter Frank Albrecht). Dabei geht es insbesondere um ausgenutztes Vertrauen und darum, dass ein Statement abgedruckt wurde, das von Chucks Ex-Manager stammte, was dem Death-Metaller nicht passte. Dieser Manager erhält seine Quittung im Song 'The Philosopher'. Es ist vielleicht etwas unfair dessen Bisexualität  für eine harsche Kritik auszunutzen. Trotzdem ist der Aufbau folgender Textstelle ziemlich clever: "So you preach about how I'm supposed to be, yet you don't you know your own sexuality!"
Musikalisch geht die fünfte Scheibe in dieselbe Richtung wie der Vorgänger "Human". Die Lieder sind vertrackt und technisch anspruchsvoll, aber lassen sich trotzdem angenehm hören. Ein Grund dafür ist auch sicherlich die kompakte Länge der Titel, denn mit knapp fünf Minuten ist 'Mentally Blind' der längste Track auf der CD. Alle anderen Lieder dauern knapp vier Minuten und kommen so auf eine Gesamtspielzeit von 40 Minuten. Eine echte Rarität im Bereich progressiver Musik, wo ausladende acht bis neun Minuten Hymnen mit selbst-darstellerischen Frickel-Kuriositäten die Regel sind. Dass uns dieser Horror auf der vorliegenden Platte erspart geblieben ist, ist wohl auch der Verdienst der kompetenten Mitmusiker, die Chuck zusammengesucht hat. Mit Steve DiGiorgio ist zwar nur ein alter Bekannter wieder mit an Board, aber auch mit KING-DIAMOND-Klampfer Andy LaRocque und Schlagzeug-Talent Gene Hoglan bewies Schuldiner wieder einmal das richtige Händchen.

Die Entwicklung von DEATH ist beachtlich. Innerhalb von sechs Jahren wurde aus einer thrashigen Old-School-Death-Metal-Band eine technisch perfekte Metal-Band, die im Bereich Progressivität Mitte der Neunziger Jahre Maßstäbe setzte. Das DEATH-Album, was aber den meisten Menschen in Erinnerung bleiben sollte, sollte jedoch erst noch erscheinen.


[Adrian]

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