Dienstag, 1. Dezember 2015

CD-Review: Armament "First Strike"

Hätte mir jemand vor einem Jahr erzählt, wie viele Metal-Veröffentlichungen aus Zentralasien auf meinen Schreibtisch flattern werden, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber allein mit starken Bands aus dieser Region könnte ich diesen Blog fast täglich mit neuen Beiträgen befüllen - und der Trend reißt nicht ab. "First Strike" ist so ein Beispiel für das unheimliche Potenzial, was zwischen Himalaya und Indischem Ozean schlummert. Serviert wird uns dieses Filetstück, das durch SLAYER und KREATOR maßgeblich beeinflusst wurde, von der west-bengalischen Kapelle ARMAMENT, die mühelos die aktuellen Scheiben der genannten Einflüsse an die Wand spielt.
Es ist wirklich beeindruckend, was für eine Spielfreude von den Indern an den
Tag gelegt wird. Das Schlagzeug scheint in Flammen zu stehen und die Saiten der messerscharfen Gitarren müssten eigentlich glühen, während die vier Herren darauf herumprügeln. Lange ist es her, dass ich ein so wildes und rücksichtsloses Klangtreiben erlebt habe, das dennoch so viel Struktur besitzt und zielführend konzipiert worden ist. Ihren ganz eigenen Charme bewahren sich Songs wie 'Wings Of Death' oder auch 'Gas Chamber' bei aller Raserei. Mal ist der Groove, mal die schwarz-dreschende Geschwindigkeit und dann wieder ein herrliches Solo, die Triebfeder der jeweiligen Komposition. Die größte Stärke dieser EP ist und bleibt allerdings ihre Energie. Denn vor Kreativität strotzt das Song-Writing zu keinem Zeitpunkt, aber das macht in diesem Fall überhaupt nichts. Diese fünf Tracks strahlen eine Kraft aus, die durch das säure-keifende Organ von Frontmann War massiv genährt werden. Passenderweise covert ARMAMENT 'Unstoppable Force' von AGENT STEEL und liefert damit die passendste Selbstbeschreibung, die man für "First Strike" anbieten kann: denn die vier Tiger aus Kalkutta sind in der Tat eine unhaltbare Macht!

Sie sind keine Schöngeister oder Art-Rocker, sondern sind die kompromisslosen Thrasher, die die meisten großen Bands gerne wieder wären, aber einfach zu satt dafür sind beziehungsweise ihr Feuer verloren haben. Demgegenüber brennt das bengalische Feuer um so heller. 
Seit 22.08.2015 kann man eine von 200 CDs bei der Band selbst erstehen.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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