Freitag, 23. Oktober 2015

CD-Review: Kalmen "Course Hex"

KALMEN klingt nach norwegischer Polarnacht. KALMEN klingt nach der Seenplatte Finnlands. KALMEN trägt die Düsterkeit der schwedischen Fjorde in sich. Allerdings sind die vier Musiker von KALMEN gar keine Skandinavier, sondern kommen aus der Hauptstadt Sachsens. Mit "Course Hex" haben die Dresdner aktuell ihr Debütalbum herausgebracht und überraschen die deutsche Szene mit Tiefgang und Vielschichtigkeit.
"Course Hex" ist eine von diesen Platten, die alles andere als leichte Kost sind.
Der lockere Hörgenuss für zwischendurch sieht anders aus. Nein, diese Platten muss zu Hause genießen - Alleine oder maximal zu zweit. Denn es dauert einige Zeit und erfordert ein gewisses Maß an Konzentration, wenn man alle Facetten von Liedern wie 'My Soul Is Black' erfassen will. Verschiedene Melodien und Rhythmen verschmelzen ineinander und überlagern sich beziehungsweise gliedern sich in den hypnotischen Fluss der erzeugten Atmosphäre ein. Diese musikalische Wirkung erinnert an ähnlich monolithische Bands wie VERDUNKELN (nur klarer und weniger verwaschen), RUINS OF BEVERAST (in etwas schneller und heller ohne Growls) oder OMEGA MASSIF (mit Gesang und insgesamt angeschwärzter). An den Klammer-Bermerkungen merkt man vielleicht, wie schwer es ist, dieses Quartett adäquat einzuordnen (ganz abgesehen davon, dass Schubladendenken sich im Black Metal inzwischen selbst überholt haben sollte). In diesem Zusammenhang ist es vielleicht interessant zu erwähnen, dass KALMEN in einigen Teilen der Doom-Stoner-Kapelle DOWN IN SHADES entstammt, die sich mittlerweile zwar aufgelöst hat, aber zeigt, dass bei diesen Ostdeutschen keine typische Black-Metal-Biographie zu Grunde liegt. Eine gute Sache, die das breite stilistische Spektrum erklärt und besonders solche Schwarzheimer freuen wird, für die es auch mal psychedelisch bis kosmisch sein darf (ich denke hier vor allem an den letzten Song 'Naitrider').
Alles in allem ist "Course Hex" ein mächtiges und monumentales Werk geworden, was nur in seiner Gesamtheit zu beschreiben ist. Kurz gesagt, KALMEN ist kein Easy Listening, sondern anspruchsvolles Futter für Schwarzmetaller und Doom-Jünger mit einem Verlangen nach einem ein intensives Klangerlebnis. Wenn DEBAUCHERY und SIX FEET UNDER vom Niveau her, ein billiger Groschenroman sind, dann ist der vorliegende Opus ein Buch von Fyodor Dostoevsky. Ich empfehle Euch in jedem Fall ein genaueren Blick auf diese Scheibe zu werfen. Denn über diese Platte könnte bald schon die ganze europäische Szene sprechen.
Seit 28.07.2015 kann man sich diese CD beziehungsweise LP bei Ván Records zulegen.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian] 

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