Montag, 7. September 2015

Live-Review: Party.San Open Air 2015 (Part I)

Es hat etwas gedauert, aber mit einem knappen Monat Verspätung liefern wir euch den ersten Teil von unserem Festivalbericht aus Schlotheim. Der erste Tag des Party.San Open Airs 2015 umfasste zwar nur acht Bands, aber darunter sind mit unter anderem BEHEMOTH und PRIMORDIAL zwei leibhaftige Schwergewichte. 


Donnerstag:
Eröffnet wird die diesjährige Hitzeschlacht durch die schwedischen Mannen von DEGIAL. Der von MORBID ANGEL inspirierte, ab und an aber auch in schwarzmetallische Gefilde abdriftende Old-School-Death-Metal ist stimmig und gut gemacht, und vor allem bei den stark an "Altars Of Madness" angelehnten Riffs steigt meine Laune trotz der Hitze zusehends (was aber zugegeben auch an den eilig eingefahrenen alkoholischen Kaltgetränken gelegen haben könnte). Alles in Allem ein guter Auftakt des Festivals.

Morbus Chron (Foto: Adrian)
Auf MORBUS CHRON bin ich dann sehr gespannt, da ich seit dem tollen "Splendour Of Disease"-Demo ein großer Fan der Band bin, und auch die etwas an TRIBULATION erinnernde Wende weg vom puren Old-School-Death hin zu progressiveren Gefilden auf dem letzten Album "Sweven" gut heißen konnte. Live war dann auch alles anständig dargeboten, aber so richtig konnte der Funke bei mir nicht überspringen. Zu wenig ausgearbeitet schien mir die Songreihenfolge, zu unzusammenhängend der ganze Auftritt. Nicht schlechter als die Vorgänger von DEGIAL, aber aufgrund höherer Erwartungshaltung war ich dann doch ein klein wenig enttäuscht.

Midnight (Foto: Adrian)
Das erste Mal so richtig Stimmung kommt dann aber erst mit den Amerikanern von MIDNIGHT auf. Böse Zungen behaupten zwar, dass an recycelten VENOM-Riffs mit räudigem Gesang nun wirklich nichts besonderes wäre, aber das ist zum einen ungerecht gegenüber der tatsächlich geleisteten Instrumentalarbeit und zum anderen angesichts der Energie, die jedes Mal auf die Bühne transportiert wird auch völlig unerheblich. Und bei Hits wie 'Satanic Royalty', 'You Can't Stop Steel', 'Rip This Hell' und 'Evil Like A Knife' kann dann am Ende sowieso niemand mehr stillstehen. Allerdings sind Bühnen wie das Party.San vielleicht ein klein wenig zu groß für eine Band wie MIDNIGHT, von der Intensität her war der in kleinerem Rahmen stattfindende Auftritt auf dem Keep It True auf jeden Fall deutlich überlegen. 

[Nezyrael]

Nach den ersten drei Highlights kommt mit NUCLEAR ASSAULT eine erste
Nuclear Assault (Foto: Adrian)
Legende auf die Bühne, die bereits in den 80ern für Lärm gesorgt hat. Thrash-Fans wundern sich sich zwar zum Teil warum diese Größe bereits als Viertes ran muss, aber der Kapelle selbst ist das herzlich egal. Sie ist so gut aufgelegt, das man meinen könnte, dass sie heute der Headliner ist. Sänger und Klampfer John Connelly ist sogar so gut daruf, dass er mit dem Publikum herum schäckert und sie immer wieder mit kleinen Witzchen auf den Arm nimmt. Abgesehen davon legen sich die zum Teil etwas älteren Herren ordentlich ins Zeug (drei von vier Mitgliedern sind seit dem Gründungsjahr 1984 dabei) und spielen mit ihrer Energie so manche U25-Band an die Wand. Mit so tollen Liedern wie 'Sin', 'Betrayal' und besonders dem kurzen und punkigen 'Hang The Pope' vergeht die Zeit wie im Flug  und so kommt mit 'Trail Of Tears' auch bereits viel zu schnell schon der letzte Song. NUCLEAR ASSAULT ist ganz klar einer der Gewinner des ersten Tages.

Secrets Of The Moon (Foto: Adrian)
Zeit zum Verschnaufen hat man aber keine Zeit. Denn mit SECRETS OF THE MOON kommt eine Gruppe auf die Stage, die in den letzten Jahren zu einer Institution in der deutschen Schwarzmetall-Szene gewachsen ist. Der Andrang vor Bühne bestätigt diese These. Während sich die Sonne langsam senkt und sich die Nacht über den Flugplatz legt, liefern die Schwarzheimer eine unheimlich intensive und stimmungsvolle Show ab, die von tollen Lichteffekten, Feuer und einer andächtigen Atmosphäre getragen wird. Ein besonderer Höhepunkt ist aber der Auftritt des vermumten blonden Gastsängers, der für ein paar Gast-Vocals kurzzeitig auf die Bühne kommt. Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich hierbei um Andre Moraweck dem Sänger, der leider nicht mehr aktiven Thüringer Gruppe MAROON. Eine echt tolle Performance, die belegt wie überraschend gut Black Metal und Hardcore-Shouts zusammen passen können. Zu den gespielten Titel zählen übrigens 'Hole', 'I Took The Sky Away' (was besonders toll zum Sonnenuntergang passt) und das mächtige 'Lucifer Speaks', das mein persönliches Filetstück des Gigs ist.

Für viele Zuschauer überraschend spät im Billing stehen Aachener von THE RUINS OF BEVERAST. Bereits seit 2003 dabei und mit vier Alben im Rücken sind die Black-Doomer keine Newcomer mehr, aber in den Fokus vieler Metaller sind sie erst in den letzten Jahren geraten. 
Ruins of Beverast (Foto: Linda)
Kennen kann man den Bandleader (und das einziges feste Mitglieder) Alexander von Meilenwald durch seine Tätigkeit bei der früheren Schwarzmetall-Ikone NAGELFAR. Das hört man zwar nicht unbedingt heraus, aber dass es sich auch hier um anspruchsvolle und klug konzipierte Musik handelt merkt man sofort. Mit einer illusteren Live-Entourage, die dem deutschen Extreme-Metal-Underground entstammt, haut auch dieser Act tolle Lieder wie '50 Forts Along The Rhine' oder 'Daemon' heraus, während die Flammen der Pyro-Show den vorderen Reihen ordentlich einheizen. Persönlich habe ich mich nie viel mit dieser Truppe beschäftigt, aber heute gefällt mir die Vorstellung sehr gut und ist ein schöner Verschnaufpunkt. 

Mit PRIMORDIAL kommt bereits der Co-Headliner des Abends auf die Bühne. Die
Primordial (Foto: Linda)
Iren um Zero-Tolerance- und Deaf-Forever-Schreiberling Alan Averill spielen einen einzigartigen Stil aus keltischer Folklore und Schwarzmetall. Seit weit über 20 Jahren ist diese Ausnahmeerscheinung unterwegs und man merkt ihr diese Erfahrung und Professionalität an. Was leider etwas stört, ist der gerade an den Seiten etwas dürftige Sound, der es schwer macht Lieder wie 'The Coffin Ships' oder 'Empire Falls' richtigen abzufeiern. Zugegeben, das Charisma und die Bühnenpräsenz von Fronter Alan macht wieder einiges an Boden gut. Aber auch andere Zuschauer scheinen nach dem Auftritt etwas unzufrieden zu sein. Auch wenn neben dem nicht so gutem Klang, die Performance eigentlich stimmt, scheint dem einen oder anderen Fan die Darbietung zu routiniert und standardisiert zu sein. Mir persönlich hat es gut gefallen, auch wenn ich ebenfalls nicht komplett vom Hocker gerissen wurde. Dennoch wird das irische Ensemble seinem Slot gerecht und bereitet uns perfekt auf den Main-Act vor.

Danach beginnt allerdings erstmal das große Warten. Die Umbaupause bei BEHEMOTH dauert  eine gefühlte Ewigkeit. Im Detail wird jede Tom, jedes Becken und alle anderen Bestandteile des Schlagzeugs so intensiv ausgetestet, dass die Zuschauer ungeduldig zu pfeifen beginnen und nach endlosen Minuten (es dürfte beinahe eine Stunde sein), kommt das polnische Kommando dann erst auf die Bühne. Hat sich das Warten gelohnt? Auf jeden Fall! Schnell vergibt man Nergal und Co die Warterei und lässt sich von der theatralischen Vorstellung einfangen. Mit Nebelwerfen und viel Feuer untermalen die Black-Deather ihre wie immer eindrucksvolle und äußerst erhabene Vorstellung. Frontmann Nergal ist wie gewöhnlich der Mittelpunkt der Show. Allein mit seinem Blick und seiner Gestik gelingt es ihm mühelos die Massen in seinen Bann zu ziehen. 

Allerdings ist es nicht nur sein Stage-Acting, dass eine BEHEMOTH-Show stets sehenswert macht. Es sind auch die Songs der Kapelle, die zu überzeugen wissen. Egal, was auf der Bühne abgefeuert wird, die Großartigkeit und die Epik der Hymnen ist einfach atemberaubend. Da spielt es keine Rolle, ob es sich um (relativ) neue Tracks wie 'Blow Your Trumpets Gabriel' oder 'Ov Fire and the Void' handelt oder ob man alte Klassiker wie 'Conquer All' oder 'At the Left Hand ov God' zum Besten gibt. Man hat keinen Grund zu Klage. Vor allem weil sich Nergal auch im weiteren Verlauf nicht nur auf die genannte Ausstrahlung verlässt, sondern auch auf Show-Elemente setzt - wie ein Megafon mit dem er den opulenten Mikrofonständer anschreit. Nach einem ausgiebigen Finale mit Feuer und Licht geht schließlich der Auftritt der Polen und damit der erste Tag des Party.San Open Airs zu Ende. Allerdings stehen uns noch zwei weitere Tage voller Metal ins Haus!

Keine Kommentare:

Kommentar posten