Sonntag, 2. August 2015

Live-Review: Freak Valley 2015 - Part 2

Nachdem wir uns gestern dem ersten Tag des Freak Valley Festivals 2015 gewidmet haben, kommen wir nun ohne große Umschweifen zum zweiten Tag. Den ersten Teil vom Stoner- und Doom-Event findet ihr hier.


Freitag:

Klassischer wird der Stoner Rock nicht mehr. Wenn man einer Person erklären
Quelle: Seedy Jeezus - Facebook
sollte wie das Genre so im Schnitt zu klingen hat ist SEEDY JEEZUS die richtige Anlaufstelle. Das soll zunächst nicht als Kritik gemeint sein. Viel mehr haben die Australier verstanden wie sich das Genre anzuhören und vor allem anzufühlen hat. Es wird nicht viel Zeit mit überbordenden Intros verschwendet, die Gitarren klingen voluminös, spielen mitreißende Soli und das starke Schlagzeug leistet keinen geringen Anteil an dem drückenden Sound der Band. Auch die Vocals wissen einfach was erwartet wird: Eine Gesangsstimme schrammt gerade knapp am Schreien vorbei, um genug tatsächliche Stimmvariation zuzulassen, aber das Ganze klingt trotz allem leidenschaftlich und dreckig - einfach genau das was man sich vorstellt. Allerdings liegt hier auch (ein wenig) das Problem : es fehlt etwas die Variation im Projekt. Alles was gemacht wird läuft schon richtig, aber fühlt sich etwas nach Schnittmuster geschrieben an. Zu behaupten, der Band fehle ein gewisses Maß an Seele, wäre übertrieben und der Leistung nicht angemessen, aber trotzdem klingt alles zu sehr nach genau dem, was man erwarten würde, um wirklich im Kopf hängen zu bleiben. Der auftritt verläuft ebenfalls wie erwartet: Gut. Einfach gut. Nicht mehr und nicht weniger. 

[Sunny] 

TRAVELIN JACK zieht zunächst allein durch seine Präsenz bereits die Aufmerksamkeit auf sich. Geschminkt, bunt und glitzernd stehen die Typen auf der Bühne wie ein Mittelding aus Hippies  und Glamrock. Tatsächlich ist dies auch nicht einmal die schlechteste Beschreibung ihrer Musik, auch wenn die
Quelle: Travelin Jack -Facebook
groovigen Songs mit dem Einfluss einer gehörigen Portion 70‘s Rock doch bodenständiger daher kommt, als diese Beschreibung es vermuten lässt. Denn das Quartett stellt grundsolide, saubere Instrumentenarbeit auf die Bühne. Dieser schadet dem, zumindest im Vergleich zu ihren Studioaufnahmen, wärmere, eher Stoner Rock geprägte Live Sound keineswegs. Bedauerlicher Weise schränkt der Gesang der Frontfrau "Spaceface" dieses Fazit etwas ein. Zwar schmettert diese ihrer Bühnenshow entsprechend kraftvoll ins Mikrofon, doch gelegentliche leicht schiefe Töne ziehen sich wie ein Roter Faden durch beinahe jeden Song ihrer Performance. Möglicherweise liegt darin der fehlende letzte Schliff den es gebraucht hätte, um das Publikum auch in der sonnigen Hitze des Nachmittags richtig mitzureißen. Trotz solidem und funktionierendem Songmaterial und einer energiegeladen Show bleibt also ein etwas bitterer Nachgeschmack bei dem Auftritt der zweifelsfrei best-gekleideten Band des Festivals. 

[Lukas B.] 

Die fünf Schweden von SIENA ROOT stehen am frühen Abend lässig mit auf der Bühne und entführen das Publikum auf einen leicht psychedelischen Trip
Quelle: Siena Root - Facebook
irgendwo zwischen die 60er und 70er Jahre. Dabei zeigen sie nicht nur, dass sie ihre Instrumente beherrschen sondern schaffen es die entspannte Atmosphäre des Publikums aufzugreifen und mit einem gigantischen Aufgebot an Groove und treibenden Rhythmusparts ordentlich zu würzen. Man merkt also an ihrem Auftreten, dem einwandfreien Zusammenspiel und dem stimmigen und perfekt funktionierenden Songmaterial, dass es sich um alte Hasen im Geschäft handelt. Daher stört es auch keineswegs, dass die Bühnenshow vielleicht nicht so energiegeladen war wie die der BLUES PILLS, das haben Siena Root auch gar nicht nötig. Sie haben mit ihrer eigenen Stimmung und ihrem eigenen Sound. Alleinstellungsmerkmale genug um im Gedächtnis zu bleiben. Dazu müssen sie nicht einmal auf die stilsicheren Schlaghosen zurück greifen – oder darauf das sie mit Erik Pettersson an der Rock-Orgel eines der wenigen Tasteninstrumente des Festivals auf der Bühne hatten. Als Fazit bleibt also: Coole Show, coole Songs, coole band. Läuft. 

[Lukas B.] 

Quelle: Horisont -Facebook
Auch die Musikanten von HORISONT geben sich hier nach dem Heavy Days In Doomtown schon wieder die Ehre. Die den siebzigern nachtrauernden Hard-Rock-Afficionados sind bisher immer ein Garant für eine großartige Show gewesen und auch hier liefert der bewährte URIAH-HEEP-Stil den Fans mächtige Unterhaltung. Selbige sind schon vor dem Konzert vor Vorfreude am überkochen; innerhalb von vier Minuten hört man mindestens 20 mal laute 'Nightrideeeeeeer'-Rufe. Glücklicherweise beinhaltet die Setliste auch diesen kultigen Hit und selbstverständlich auch die üblichen Fan-Favourites a la 'Writing on the Wall' und Konsorten. Hier hat sich auch die Technik ordentlich Mühe gegeben, denn auch von mehreren Positionen klingt die Band weder verwaschen noch matschig. Abgesehen davon erlaubt sich auch keiner der Musiker einen Fehlgriff und alles in allem ist die Stimmung einfach der Lage entsprechend ausgelassen. Grooviger Psychedelic-Stil mit dem richtigen Schuss Hard Rock, um die Menge vom abschweifen abzuhalten, gepaart mit den beachtlich hohen Vocals ergeben das klassische Rock n roll Festivalgefühl dem hier sicher einige nachjagen. Einfach ein ordentlicher Gig ohne Patzer oder Mängel. Gute Sache. 

[Sunny] 

Nachdem der Aufbau des Bühnenbildes eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat, stehen nicht nur Satellitenschüssel-Regenschirme (die sich später als teil der Lightshow entpuppen) auf der Bühne, sondern auch MONKEY 3. Als die vier Schweizer loslegen wird auch schnell klar, warum ein Haufen Festivalgänger geduldig auf die Live-Show gewartet haben: Sie bekommen eine fette Sound-Wand ins Gesicht gedrückt. Genau das ist es nämlich worum es bei diesem Auftritt geht. Kein Gesang, kein Krieg um das schnellste Gitarrensolo, nicht einmal Licht. Na ja, zumindest keine Scheinwerfer-Spots auf die Musiker.

 Stattdessen unterstützen Videofetzen und Farbmuster auf der Bühnenrückwand die Wirkung der Musik. Psychedelisch, treibend und und fließend ziehen die Musiker das Publikum in ihren Bann. Beinahe wie in Trance wird auf die Bühne gestarrt oder getanzt, ganz so als seien die Besucher auf einem großen gemeinsamen Trip. Wer diese Band noch nicht live gesehen hat, sollte das nachholen, denn zumindest auf dem Freak Valley waren sie wesentlich eindrucksvoller als auf ihren Studioaufnahmen. Ein großartiger Sound (an dieser Stelle Kompliment an die Verantwortlichen des Festivals), eine sehr gut eingespielte Band, passende Lightshow bringen das Gefühl rüber, die Band hätte eine einzige spannende Geschichte erzählt. Eine dieser fesselnden Geschichten, bei denen man sich etwas verwirrt und leer fühlt, wenn sie plötzlich zu Ende sind. 

[Lukas B.] 

Nach dem starken Konzert von MONKEY 3 scheint ORCHID eine schwierige Position zu haben. Doch natürlich sichert sich der Headliner des Abends mit ihrer
Quelle: Orchid - Facebook
Bekanntheit ein großes und wohlgesonnenes Publikum. Und tatsächlich wirkt die Musik der kalifornischen erfrischend, denn sie hebt sich vom Vorherigen stark ab. Sie erinnern zunächst ein wenig an BLACK SABBATH, vor allem der effektbelegte Gesang scheint viel aus diesem musikalischen Bereich zu entnehmen. Doch die Gitarrenriffs sind eine Ecke schwerer, langsamer, doomiger. Dadurch fügt sich ein kontrastreicheres Klangbild zusammen und macht den Gesang durchsetzungsfähig, obwohl er im Mix rein lautstärkemäßig kaum über dem Instrumentalen steht. Bedauerlicherweise ist das von ORCHID gespielte Set in sich jedoch nicht so abwechslungsreich wie die Performances der unterschiedlichen Bands. Sie bleiben ihrem recht engen Stilbereich treu und so geht die erfrischende Wirkung mit der Zeit verloren. Sobald dies geschieht, scheint auch die Bühnenpräsenz ein wenig verloren gegangen zu sein, obwohl sich zumindest der Sänger sichtlich Mühe gibt in Bewegung zu bleiben. Übrig bleibt noch immer eine gute Band, die groovt und ihren Kram beherrscht, doch mir persönlich fehlte der letzte Kick, den man von einem Headliner erhofft hätte. 

[Lukas B.] 

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