Donnerstag, 27. August 2015

CD-Review: Raum Kingdom "Raum Kingdom"

Massive, dichte Soundwände waren nie so ganz in der Mode, aber haben den Vorteil, dass sie so auch nie ganz aus der Mode kommen können. Wer Death Doom Metal und Sludge mag, der weiß, dass viele Menschen bei dem Gedanken an diese Art von Musik zu gähnen beginnen. Wenn man sich aber erst einmal darauf einlässt und der Musik eine Chance gibt, dann kann eine Band wie zum Beispiel RAUM KINGDOM mit ihrer ersten selbst-betitelten EP durchaus interessant sein.

Holen wir aber zuerst die Checkliste heraus. Tiefgestimmte Gitarren mit viel Distortion - Check! Wenn gesungen wird, dann meist mit Growls, Shouts oder melodischer Stimme - Check! Unangenehme Klanggebilde, die drückend, einnehmend und ultra dicht zur gleichen Zeit sind - Check! Eine EP mit einer Spielzeit (knappe halbe Stunde), die andere Bands als Album verkaufen würden - Check! Ja, in der Tat wir haben es hier ganz offensichtlich mit einem Doom-Sludge-Bastard zu tun und wie man aus der Auflistung schließen kann, scheint
es sich auch noch um einen sehr typischen Vertreter dieser Zunft zu handeln. Die Iren sind aber gar nicht so generisch, wie sich das anhört. Sie nutzen zwar alle diese Trademarks, aber setzen sie unterschiedlich deutlich in ihren Songs ein. Während zum Beispiel 'Cross Reference' gar keinen Gesang einsetzt und in erster Linie mit einem ausgedehnten Sample arbeitet, um seine instrumentale Apokalypse zu unterlegen, gibt es bei 'These Open Arms' sehr viel klaren Gesang, der apathisch klingt und in fauchenden Shouts kollabiert. Ich bin hier etwas zwiegespalten. Die Growls und die Shouts sind wirklich gelungen, aber die klaren Gesangspassagen wirken in weiten Teilen etwas deplatziert und rauben dem an sich düsteren Soundgewand etwas den Biss. Das ist auch bei 'This Sullen Hope', das mit fast zehn Minuten etwas zu lang geraten ist, nicht anders. Leider sabotiert es sich trotz wirklich guter Ansätze mit ein paar unnötigen Längen selbst.
Alles in allem haben die Jungs aus Dublin eine Menge Potenzial, das Sie nur entsprechend nutzen müssen. Es fehlt etwas an Feinschliff und einer Fokussierung auf beklemmende Klangbauten, die auf zu viel Varianz verzichten. Denn gerade der Klargesang, ist etwas zu viel des Guten. Wenn RAUM KINGDOM sich in Zukunft in die richtige Richtung entwickelt, werden wir es mit einem ernst zunehmenden Platzhirsch zu tun bekommen (im oberen Stream bekommt ihr einen Vorgeschmack auf den aktuellen Sound der Doom-Iren).
Seit dem 15.04.2014 kann man eine von 100 EPs bei der Band selbst abgreifen.

7 von 10 Punkten

[Adrian]

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