Montag, 6. April 2015

CD-Review: Kadaverficker "Nekrokore Is Love

Okay, well played! Ich muss gestehen, dass ich beim Blick auf die Tracklist von "Nekrokore Is Love" schon mit den Augen gerollt habe. Die 21 Tracks plus Hidden Track tragen nämlich zum Teil wirklich unlustige Namen (wie 'Ebola Bitch' oder 'Nekrobama: Death We Can' – Kreativitäts-Level: sechste Klasse, Realschule). Allerdings überzeugen mich  die Dortmunder von KADAVERFICKER mit ihrem neusten Output musikalisch auf ganzer Linie.
Pubertäre Texte, Uffta-Uffta-Sounds und Klospül-Vocals sind normalerweise das
einzige was viele Porn'n'Gore-Bands zu bieten haben. Im Falle von KADAVERFICKER allerdings braucht man keine Angst zu haben, dass man eintönigen Brutal-Death oder dilettantischen Punk-Grind vorgesetzt bekommt. Die Jungs aus dem Pott können nämlich Songs schreiben! Ja, man mag es kaum glauben, wenn man sich aktuell so umschaut, aber es gibt sie noch: Bands, die nicht nur sinnlos auf alles schießen wollen, was sich bewegt, sondern wissen wie wichtig Groove und eine gewisses Maß an R'n'R-Feeling ist (besonders bei 'Bis hier hin und dicht weiter' rockt und rollt es an Ecken und Kanten). Richtig deftig wird es dennoch immer wieder und bei kurzen Ausrastern wie 'Nekro Power In The Acid Shower' offenbart sich wie viele Liter rohe Wut durch die Adern der Nekros fließt.
Besonders unterhaltsam sind auch die Gerne-typischen Samples und Zitate mit popkulturellen Anspielungen, die fast jeden Song einleiten (ich sage nur "KHAAAAAAAN!!"). Aber auch die deutschen Lieder der Ficker wie die Blues-Parodie 'Tote Körper lamentieren nicht' sind eine richtig gelungene Geschichte, wo der eigenwillige Humor (den die bloßen Titel im ersten Augenblick nicht vermitteln wollen) tatsächlich funktioniert. Wer nach knapp 26 Minuten noch nicht genug hat, auf den wartet dann abschließend als versteckter Song das längste Stück der Platte (2 Minuten und 42 Sekunden lang), das noch einmal abschließend ordentlich dem Grind'n'Roll huldigt.

Alles in allem ist KADAVERFICKER mit "Nekrokore Is Love" ein wunderbarer Mix aus Grind, Death Metal, Crust-Punk und Rock'n'Roll gelungen, der aus der Masse der stumpfen und generischen Veröffentlichungen heraussticht. Nicht jeder mag den Humor der Revier-Legende teilen, aber musikalisch macht ihr im Sub-Genre niemand etwas vor. Wer Bands wie SPLATTER WHORE, CLITEATER, ROMPEPROP oder RECTAL  SMEGMA mag, sollte sich diesen Longplayer unbedingt zulegen. Auf den ersten Blick erscheint "Nekrokore Is Love" zwar wie eine Lachnummer, aber im Gegensatz zur Benennung ihrer Stücke, nimmt KADAVERFICKER seine musikalische Arbeit durchaus ernst.
Bereits seit Ende Februar kann man diesen Hassbatz bei Splatter Zombie Records und Godeater Records bestellen.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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