Donnerstag, 4. Dezember 2014

Angehört: Fen - Toxoid - Atrum Tempestas


Nach längerer Abstinenz stürzen wir uns heute mal wieder in eine Massenschlacht. Dieses Mal treten die englischen Post-Black-Metaller von FEN mit ihrem aktuellen Album gegen die noch recht frischen Inder von TOXOID und die finnischen Atmosphäriker von ATRUM TEMPESTAS an, die ebenfalls ihr Debütalbum vorlegen. Es erwartet uns also ein tiefschwarzer Dreikampf mit internationalem Flair.
Die Briten von FEN sind bereits seit 2006 unterwegs und beglückten uns in
diesem Sommer mit ihrem neuen Album "Carrion Skies". Das ist bereits der vierte Release der Londoner und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass dies der erste Longplayer der Truppe ist, den ich mich mir wirklich zu Gemüte führen. Mir wurde zwar von Bekannten schon einiges vorgeschwärmt, was diese Kapelle angeht, aber so ganz habe ich bisher noch nicht die Zeit gefunden mich mit ihnen zu beschäftigen. Was eine Schande! Denn allein das neue Album beweist durch den kräftigen Kreisch-Gesang von Frontmann The Watcher, der durch Mark und Bein geht, und das progressive Song-Writing, dass man sich nicht zwischen harten Schwarzmetall und post-rockiger Feingeistigkeit entscheiden muss. Man muss nicht wie LANTLOS oder ALCEST dem Schwarzmetall vollends den Rücken kehren, denn im Grenzgebiet zwischen Black Metal und Post Rock gibt es noch eine Menge zu entdecken. Allein 'Sentinels' oder 'Supplicant' bauen eine dichte Klangwand auf, die es unmöglich macht nicht von der Stimmung nicht vereinnahmt zu werden. "Carrion Skies" ist ein Kandidat für die schwarzmetallischen Top-Ten des Jahres und FEN werden ab sofort häufiger auf dem Plattenteller landen.



Post Rock? Progressivität? Das alles sucht man bei "Aurora Satanae" von TOXOID vergebens. Die vier Jungs aus Neu-Dehli hauen einfach wild auf die

Kacke und halten ihren Black Metal sehr klassisch. Kann man machen, klingt gut. Lediglich die Screams von Adnan Khan sind noch verbesserungsbedürftig. Die quäken nämlich zum Teil unangenehm und erinnern phasenweise eher an Core-Shouts als an böses Gekeife. Die Gitarren allerdings klingen wunderbar norwegisch und auch die Lyrics, die von Satan, Baphomet und anderen Dämonen schwärmen, sind herrlich cheesy. Im Ernst, "Sing, Sing for my Lucifer, chant, chant his name" ist schon brutalst plakativ, aber als jemand der selbst früher solche Texte fabriziert hat (damals noch als Sänger von SURM ARMASTUS), kann ich dem Trio vom Subkontinent keinen Vorwurf machen. Im Grunde machen solche Lyrics auch mehr Spaß und wirken bodenständiger als diese ganzen philosophischen Diskurse anderer Bands, die bis auf einige Ausnahmen, mit schöner Regelmäßigkeit in die Hose gehen. Knapp 30 Minuten dauert dieses Treiben und ist für Zwischendurch sicherlich eine nette Angelegenheit, aber auf Dauer muss da mehr kommen, um sich vom Gros der Szene abzuheben. Trotzdem kann jeder traditionsbewusster Schwarzheimer bei "Aurora Satanae" zumindest mal ein Ohr riskieren.

Wieder mehr in Richtung FEN tendieren die Finnen von ATRUM TEMPESTAS. Zumindest unter atmosphärischen Gesichtspunkten. Ihre Debüt-LP trägt
sowohl  von den Songnamen als auch vom Albumtitel ("Néant", zu Deutsch "Nichts") her französische Bezeichnungen. Das ist zwar etwas verwirrend, weil diese Suomi-Truppe keine direkte Verbindung zum gallischen Kernland aufweist und vornehmlich in Englisch singt, aber auch das ist nur eine Randnotiz. Denn die drei Songs, die zusammen auf eine Spielzeit von fast 32 Minuten kommen, sind in jedem Fall eine hörenswerte Angelegenheit. Denn es werden zum Beispiel ganz stilvoll auch Piano-Passagen eingepflegt und ein Hauch von Post darf natürlich auch nicht fehlen. Das mag jetzt zwar nach einer weiteren Band klingen, die einfach einem Post-Trend folgt, aber überzeugend ist die Machart von "Néant" auf jeden Fall. Gerade die bereits erwähnte Tatsache, dass Flaggschiffe wie LANTLOS oder ALCEST aus der schwarzen Szene mehr und mehr verabschieden, schafft Raum für neue hoffnungsvolle Acts wie zum Beispiel ATRUM TEMPESTAS.



Insgesamt ist keines der Alben ein kompletter Ausfall. Am stärksten ist zwar mit Sicherheit das neue Scheibchen von FEN, die auch auf die meiste Erfahrung zurückblicken können, aber auch ATRUM TEMPESTAS und TOXOID zeigen mit sehr guten Ansätzen, dass sie in Zukunft für Aufsehen sorgen können. Seit 22.11.2014 beziehungsweise 13.10.2014 können "Carrion Skies" von FEN bei Code666 Records beziehungsweise "Neánt" von ATRUM TEMPESTAS bei Nordavind Records abgegriffen werden, während "Aurora Satanae" erst am 07.12.2014 über Transcending Obscurity Distribution erscheinen wird.

[Adrian]

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