Sonntag, 17. August 2014

Live-Review: Party.San Open Air 2014 (Part I)


Das Party.San Open Air bildete auch 2014 mal wieder das extrem-metallische Highlight dieses Festivalsommers. Haufenweise nationale und internationale Größen aus Thrash, Death und Black Metal fanden sich in Schlotheim ein, um drei Tage Krach und Lärm zu verbreiten. Allerdings gab es auch dieses Jahr wieder die eine oder andere musikalische Überraschung, die aus dem Billing gefallen ist und mal mehr und mal weniger das kritische Publikum überzeugen konnte. Im ersten Teil dieses Live-Reviews widmen wir uns ganz dem ersten Tag des dreitägigen Open Airs, der sich vor allem durch Hitze und viel Sonne auszeichnete. Wer übrigens unseren kleinen Festivalfilm noch nicht gesehen hat, kann dies hier tun.

Das Party.San Open Air wird von NECROWRETCH auf der Hauptbühne eröffnet. Die rotzigen Deather profitieren von ihrer Pole-Position und ziehen viele Zuschauer vor die Bühne, die es gar nicht erwarten können, dass das Festival endlich losgeht. Belohnt werden diese frühen Vögel mit treibendem Todesstahl der Marke "Tod aus Florida". Obwohl sich nur drei Männer auf der großen Stage herumtreiben, klingen die Century-Media-Jünger wie eine ganze Armee und krönen ihren Auftritt mit dem (etwas ausgelutschten) DEATH-Cover 'Zombie Ritual. Nach gerade einmal einer halben Stunde Spielzeit endet der Gig zwar früher als gedacht, aber die Franzosen haben dennoch die Messlatte für alle folgenden Bands bereits jetzt sehr hoch gesetzt.

Ebenfalls bei Century Media unter Vertrag und ebenfalls Death-Metaller sind die

Mannen von GOD MACABRE, die zu der Ursuppe des klassischen Schwedentods zählen. Allerdings ist auch nach mehr als 25 Jahren das Feuer noch immer nicht erloschen und die Szene-Veteranen liefern eine steile Show ab. Der dargebotene Stil ist zwar absolut nichts Neues und besteht zu 100 Prozent aus der Stockholmer Schule, aber da die Skandinavier diese Spielart mitgebründet haben, dürfen sie eben auch so klingen. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie nur ein Full-Length-Album im Rücken haben, das als Automobil auch schon Youngtimer-Status hätte. Nichtsdestotrotz gehen Lieder wie 'Spawn Of Flesh' herrlich ab und unterstreichen warum gerade diese Kapelle einen besonderen Platz in der Geschichte des schwedischen Death Metals einnimmt.

Mit SKELETONWITCH bewegen wir uns im Anschluss ein wenig weg vom Todesstahl und frönen dem angeschwärzten Thrash der Nordamerikaner.

Die Athener (aus Ohio) sind eine Bank was Live-Auftritte angeht. Nur wenige extreme Bands legen so viel Spielfreude an den Tag. Das Quintett zockt sich den Arsch ab und vor allem Fronter Chance wirbelt über die Bühne wie ein Dämon. Ganz nebenbei hauen die US-Amis eine großartige Nummer nach der anderen heraus. Dabei ist es egal ob es sich um neue Tracks wie 'Beneath Dead Leaves' oder alte Klassiker wie 'Beyond The Permafrost' handelt. Die Zuschauer zeigen sich schwer begeistert und springen auf so gut wie alle Songs an. Leider lässt der Ami-Fünfer die ganz großen Geschütze wie 'The Infernal Ressurection' oder 'Fire From The Sky' im Waffenlager, die zumindest von mir etwas vermisst werden. Dennoch ist auch dieser Auftritt mal wieder rundum gelungen und bietet nur wenig Angriffsfläche für Kritik.

Mit ATLANTEAN KODEX folgt im Anschluss der brutalste Stilbruch des Tages. Viele Besucher sind anfangs noch sehr interessiert, da die Band in der Musikpresse und online zuletzt sehr gehypt wurde (schaut euch dazu zum Beispiel nur das aktuelle Deaf Forever Magazin an). Allerdings werden die melodischen Power-Heavy-Metaller ihren Vorschusslorbeeren nicht wirklich gerecht. Denn viele Zuschauer empfinden das Dargebotene schlichtweg als stinklangweilig. So sieht man auch bereits recht bald einen Strom an Leuten das Feld räumen und nach wenigen Songs bleibt nur eine kleine Schar zurück, die weniger dicht ist als sie es bei dem heutigen Opener war. Spielerisch und technisch sind die teutonischen Musiker sicherlich eine Hausnummer, aber das Party.San Open Air ist heute einfach die falsche Bühne für diese etwas vertrackte und zu sanfte Kapelle. Auf dem Keep It True oder dem Bang Your Head wären sie bestimmt besser angekommen, aber hier und heute gewinnen sie keinen Blumenstrauß.

Direkt danach folgt eine Gruppe, die eher den Geschmack der Zuschauer (und auch meinen Eigenen) trifft. Das schwedische Todesschwadron GRAVE gehört zu den dienst-ältesten Elchtod-Gruppen Skandinaviens und hat auch heute leichtes Spiel damit das Publikum anzuziehen.

Es wird bei Ola und Co wieder richtig voll vor Bühne und Hunderte von Fans feiern alte Klassiker wie 'You'll Never See' oder 'Hating Life' gnadenlos ab. Allerdings können auch Titel vom aktuellen Longplayer überzeugen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang ist zum Beispiel 'Winds Of Chains', das ganz im Geiste der SCORPIONS (der Titel klingt ja schon fast genauso wie der Überhit der Niedersachsen) mit einer synchronen Gitarrenperformance begangen wird.
Alles in Grund und Boden rockt allerdings die Bandhymne 'Into The Grave'. Wer bei diesem Song teilnahmslos stehen bleibt ist kein GRAVE-Fan oder ist genervt von dem nicht ganz optimalen Sound der Schweden, der es teilweise schwer macht sich richtig auf die Songs einzulassen. Außerdem stößt es sauer auf, dass andere Band-Hits wie 'Soulles' oder 'And Here I Die Satisfied' schmerzlich vermisst werden. Dennoch verdient der Auftritt das Prädikat "Sehenswert".

Auf den Auftritt von ENTOMBED A.D. sind viele gespannt, denn hierbei handelt es sich nach dem Split von Alex Hellid und Petrov um die Version der Band, die von dem Gründungsmitglied LG Petrov weitergeführt wird. Nach einem längeren Rechtsstreit darf aber dieses Originalmitglied nicht mit Originalnamen und Logo auf Tour gehen, sondern muss ein "A.D." beifügen. Wie ein billiger Abklatsch klingen die Schweden deswegen aber nicht, denn die Mitmusiker von LG beweisen sehr schnell, dass Ihnen die authentische Darbietung von Titeln wie 'I For An Eye' oder 'Revel In Flesh' nicht schwerfällt.
Auch der sympathische Fronter präsentiert sich bestens gelaunt und grüßt in seinen Ansagen immer wieder seine deutschen "Heavy Metal Freunde".

Die freuen sich vor allem über groovige Nummern wie 'Chief Rebel Angel' oder das unsterbliche 'The Left Hand Path'. Das melodische Zwischenspiel des Tracks wird vom Großteils des Publikums mitgesungen und macht aus dem Death-Metal-Klassiker ein schwedisches 'Fear Of The Dark'. Ein Auftritt mit Gänsehautgarantie. Alex Hellid und Co werden erst einmal beweisen müssen, ob sie auch in Zukunft mit LG's Version von ENTOMBED mithalten können beziehungsweise ob sie es überhaupt noch mal schaffen ein Album oder eine Tour auf die Kette zu bekommen.

Als Co-Headliner entern anschließend die Leisetreter von SOLSTAFIR die Bühne. Viele

scheinen die Isländer heiß zu erwarten, denn vor der Stage wird es ziemlich eng. Und heiß wird es auch auf selbiger. Schon bei den ersten Tönen schießen hohen Flammen aus den Pyro-Anlagen, während eine große Schar an Fotografen darauf wartet den Fotograben stürmen zu dürfen. Währenddessen säuselt der Fronter Adalbjörn, der heute aussieht wie ein Doppelgänger von MOTÖRHEAD-Chef Lemmy, den zauberhaft schönen Titeltrack vom aktuellen Album "Otta" ins Mikrofon.
Aber nicht alle Titel sind im Downtempo gehalten und so gibt es auch einige Gelegenheiten um abzugehen. Es werden aber vor allem bekannte Tracks wie 'Goddess Of The Ages' oder 'Fjara' gefeiert und machen diesen Auftritt zu einer unvergesslichen Erfahrung für viele Besucher. Stärker habe ich persönlich die Nordlichter selten gesehen. Auch wenn die bombastischen Liedlängen und die begrenzte Spielzeit wie immer nur Raum für einen kleinen Ausschnitt aus der reichhaltigen Diskographie des Quartetts erlauben.

WATAIN bilden heute die Sperrspitze des Billings, aber sind wohl für viele Zuschauer weniger interessant als die Truppe vom Polarkreis. Die Reihen lichten sich nämlich sichtlich. Das mag daran liegen, dass die Schweden (in den Augen vieler) ihren Zenit überschritten haben (nicht umsonst musste sich das aktuelle Album viel Kritik gefallen lassen).

Ebenfalls wird die Tatsache dazu beigetragen haben, dass die bekennenden Satanisten in den letzten Jahren einfach zu präsent auf mitteleuropäischen Bühnen waren. Alternativ kann man auch die endlose Umbaupause verantwortlich machen. Denn die Skandinavier beginnen ihren Auftritt mit 30 Minuten Verspätung.
Kein Wunder, dass das so lange dauert. Immerhin werden so viele Requisiten auf die Stage geschleppt, dass man meinen könnte Sänger Erik und Co wollten dort dauerhaft einziehen.  Der Auftritt an sich ist ambitioniert und man merkt, dass sich Kapelle anstrengt, um einen guten Gig abzuliefern. Allerdings wirken die feurige Show und der Einsatz von ranzigem Blut nicht mehr so eindrucksvoll wie noch vor einigen Jahren. Mit Songs wie 'Outlaw', 'Malfeitor' oder auch 'Reaping Death' hat man zwar auf jeden Fall ein ordentliches Set zusammengestellt, das mit 'Holocaust Dawn' einen deftigen Höhepunkt vorweisen kann, aber im Großen und Ganzen reißt die Vorstellung einfach nicht mehr mit. Kurzum, der okkulte Lack ist einfach ab.

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[Bericht: Adrian / Fotos: Linda]

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