Samstag, 23. August 2014

CD-Review: Zombiefication "Procession Through Infestation"



Manchmal ist es wirklich anstrengend ein Review über eine Old-School-Death-Metal-Kapelle zu schreiben. Irgendwie hat man nämlich oft das Gefühl, dass man immer wieder die gleichen Platituden und Referenzen auspackt. Zum Glück gibt es aber in diesem Sektor auch viele Bands, die sich durch Varianzen und einen recht individuellen Stil auszeichnen. Inwieweit diese Beschreibung auch auf "Procession Through Infestation" von ZOMBIEFICATION zutrifft, werden wir im Folgenden klären. 
Es ist nur eine persönliche These, aber wenn man nach abwechslungsreichen Bands der zweiten Todeswelle sucht, dann muss man möglich weit von Stockholm entfernt sein. Denn es ist schon bemerkenswert wie viele DISMEMBER- und NIHILIST-Klone in den letzten Jahren gerade in Schweden aus dem Boden geschossen sind.
Von daher kann es für ZOMBIEFICATION nur von Vorteil sein, dass seine Mitglieder in Mexiko beheimatet sind. Anders aber als ihre Kollegen jenseits der US-amerikanischen Grenze (zum Beispiel MORFIN oder SKELETAL REMAINS) orientieren sich die Zombiefizierten allerdings gar nicht so sehr an den Großtaten von DEATH oder OBITUARY, sondern fahren einen überraschend eigenständigen Kurs. Die Riffs sind teils sehr rockig ('Crossing The Rite') und vermischen dabei recht zwanglos amerikanische und europäische Trademarks miteinander. Die einzelnen Zutaten sind dabei nicht gerade die Ungewöhnlichsten oder strotzen vor Innovationen, aber das müssen sie auch gar nicht. Es sind vielmehr die Details, die überzeugen. So wie zum Beispiel die düster-melodischen Einschübe im Sieben-Minüter 'Infestation', der zu keinem Zeitpunkt langweilt. In diesem Titel beweisen die Mittelamerikaner übrigens ganz nebenbei wie viel Atmosphäre in ihnen steckt und dass sie auf jeden Fall auch für Schwarzmetaller, die es atmosphärisch mögen, interessant sein können. 
Es ist ebenfalls interessant, dass diese Jungs trotz einiger EPs und LPS im Rücken noch einen solchen Geheimtipp-Status Inne haben. Denn durch ihren satten brachialen Sound (gerade im Opener der Platte gut zu hören) und gewaltigen Klangwände sind sie auch weit über die Grenzen des klassischen Todesbleis für die metallische Hörergemeinde relevant. Schon komisch, dass so manche Drei-Riff-Division oder  Pseudo-Schwarzwurzel mehr Aufmerksamkeit erhält als eine Truppe, die mit überragender Gitarrenarbeit (Hörbeispiel das Solo in 'The Divine Door') oder stilistischer Vielfalt den Death Metal tatsächlich noch bereichert.


Es gibt wohl einfach zu wenig wahre Musikliebhaber in der Extreme-Metal-Szene, aber diejenigen, die bereit sind abseits von gehypten Kapellen auch mal einem Act wie ZOMBIEFICATION eine Chance zu geben, werden mit ausgefallenen Songstrukturen, viel Atmosphäre und einem traditionellen Sound reichlich belohnt. Ich selbst hatte die Band bisher nicht wirklich auf dem Schirm gehabt und ihr Wirken nur am Rande verfolgt. "Procession Through Infestation" allerdings macht einem klar, dass man wirklich etwas verpasst, wenn man diese Band ignoriert.

Seit 14. Juli kann man über Doomentia Records die Scheibe in unseren Breiten erwerben.


8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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