Donnerstag, 5. Juni 2014

Angehört: Blood Runs Deep - Birth A. D. - Desecration




Im heutigen Mehrkampf stellen sich komplett unterschiedliche Kapellen unserem Urteil. Von Doom Metal über Thrashcore bis hin zu Blackened Death Metal ist diesmal alles dabei. Den Anfang machen dabei BLOOD RUNS DEEP.

Bei BLOOD RUNS DEEP handelt es sich um eine recht unbekannte Doom-Metal-Band aus Schweizer Landen. Bei der Eidgenossenschaft denkt man zwar sofort an SAMAEL oder CELTIC FROST.
Allerdings hat "Into The Void" nur wenig damit zu tun. Die Alpenländer mixen klassischen Doom à la CANDLEMASS mit modernen Melancholikern wie PARADISE LOST und KATATONIA. Das Ganze enthält sowohl melodische Elemente als auch einige schwere Riffs, die man sonst nur im Funeral Doom zu hören bekommt. Höhepunkte sind sehr gefälligen Soli, die von einer ausgefeilten Technik zeugen. Problematisch sind hier lediglich die Vocals, die etwas zu sehr nach Alternative Rock klingen und der ansonsten morbiden Atmosphäre etwas die Zähne ziehen. Auch die Spielzeit ist mit knapp 66 Minuten zu ambitioniert und weist doch die eine oder andere Länge auf. Fans des modernen Doom Metals werden dennoch ihren Spaß haben.



Die nächste Band im Reigen ist so ziemlich das genaue Gegenteil der Schweizer. BIRTH A. D. zocken klassischen Thrashcore und Crossover wie er von WEHRMACHT oder D.R.I. in den späten 80ern zelebriert wurde.
Allerdings stellt "I Blame You" das Full-Length-Debüt der Texaner dar. Die Mitglieder sind für Szene-Kenner dennoch keine Unbekannten. Drummer Mark Perry und Klampfer Brian Morrison zockten bereits zuvor gemeinsam in zwei Death-Metal-Kapellen und haben sich mit Jeff Tandy einen Fronter ins Boot geholt, der vor allem einen schwarzmetallischen Lebensverlauf vorzuweisen hat. Auf dieser Platte regiert allerdings kein mitgebrachter Einfluss, sondern eine reinrassige Mischung aus Hardcore und pfeilschnellem Thrash Metal. Die 17 Titel legen ein gutes Tempo vor und erreichen bereits nach knapp 37 Minuten die Ziellinie. Ähnlich wie bei MUNICIPAL WASTE oder DR. LIVING DEAD hat man hier kaum einen Moment zum durchzuatmen. Die Gitarren rattern rasant und das Schlagzeug legt einen amtlichen Beat vor, der groovt was das Zeug hält. Mal thrashiger ('Violent Retribution') mal Hardcore-lastiger ('No Jobs (Don't Work)') gehen die drei Herren zur Sache und begeistern in allen Bereichen gleichermaßen. Sogar die Lyrics bleiben den Szene-Vorbildern treu und bestechen durch Sozialkritik und persönliche Texte. Alles in allem ein gelungener Rundumschlag für Hartkrustenfans und Freunde eines gepflegten Circle-Pits.


Wieder anders gehen DESECRATION an die Sache heran und bringen uns Blackened Death Metal der alten Schule, was sich in diesem Fall in einer heftigen Portion Thrash niederschlägt.
Die Vocals sind fauchend bis grollend und die Instrumentalfraktion erzeugt einen coolen Rhythmus, der die Nackenmuskulatur stimuliert. Dass die Engländer bereits seit 1992 zusammen musizieren hört man dem Sound auf jeden Fall an. Hier sind definitiv erfahrene Männer am Werk, die auch schon bei so großen Namen wie ONSLAUGHT, EXTREME NOISE TERROR oder AMPUTATED gespielt haben beziehungsweise immer noch spielen. "Cemetery Sickness" beginnt recht traditionell und steigert im Verlauf des Albums den Grad der Brutalität. So findet man in 'Mortuary Debuachery' auch einen starken Black-Metal-Einschlag und überzeugt gleichzeitig durch eine abwechslungsreiche Melodieführung. Typisch Groß-Britannien ist der Todesblei auf der Insel selten naturbelassen, aber profitiert von seinen Fremdeinflüssen. Man hört hier viele Details heraus und das hält Album auch auf Dauer interessant.


DESECRATION haben diesen Dreikampf deutlich gewonnen und liefern am 26. Juni über Metal Age eine Platte ab, die das Sommerloch stopfen wird. Platz zwei ist für BIRTH A. D. reserviert, die einen tollen Crossover-Bolzen abfeuern und dem Thrash-Revival mit diesem neuen Ansatz eine Frischzellenkur verpassen. Unspeakable Axe Records halten uns diesen Hassbatzen seit dem 08.04.2014 parat.  BLOOD RUNS DEEP überzeugt mich leider am wenigsten. Die Schweizer haben mit "Into The Void" ein Doom-Album gemacht, dass sich durch zu viele alternative Einflüsse selbst im Wege steht und den Aufbau einer dichten Atmosphäre verhindert. Trotzdem kann man sich seit dem siebten März bei Bret Hard Records ein eigenes Bild von dieser Platte machen.


[Adrian]

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