Mittwoch, 26. März 2014

CD-Review: Golem "Eternity: The Weeping Horizons / The 2nd Moon"


Eines direkt vorne weg: GOLEM sind kein Newcomer, der sich passend zum Death-Metal-Revival gegründet hat und mit einem Debüt im klassischen Stil überzeugen will. Diese Brandenburger waren direkt dabei als der Death Metal erfunden wurde und die Complilation "Eternity: The Weeping Horizons / The 2nd Moon" erscheint passend zum 25. Wiegenfest der Truppe auf den Markt.
Ein unbedarfter Hörer, der bisher noch keine Erfahrung mit der Band hat, wird schnell das Gefühl haben, dass beide Werke unterschiedlich stark von zwei Kapellen beeinflusst wurden. Während  "The 2nd Moon" an allen Ecken und Enden nach dem CARCASS-Klassiker "Heartwork" klingt, ist die Einordnung bei "Eternity: The Weeping Horizons" etwas schwieriger. Denn hier gesellen sich zu den Herren aus England vor allem amerikanische Einflüsse. MORBID ANGEL schlagen sich hier vor allem in den Gitarren nieder, die doch etwas vertrackter auf dem Eternity-Silberling sind als beim zweiten Mond. Bestes Beispiel ist 'Dedication', das für echten Tech-Death steht, der nichts mit der  Selbstdarstellung musizierender Mathematiker zu tun hat.
Deutlich leichter geht dennoch das "The 2nd Moon"-Scheibchen runter, das sich in jedem Fall stärker in das Ohr der breiten Extreme-Metal-Hörerschaft einbrennen wird. Die CARCASS-Bezüge sind (wie gesagt) sehr stark, aber wurden wiederum so eigenständig aufgegriffen, dass man zwar an die Briten erinnert wird, aber zu keinem Zeitpunkt den Eindruck hat, dass aus dem einen oder anderen "Heartwork"-Song geklaut wurde.'Departure' zum Beispiel könnte eine B-Seite von 'Arbeit Macht Fleisch' sein, wobei B-Seite hier nicht heißen soll, dass es sich um Mängelware handelt, sondern vielmehr den Song logisch ergänzt.
'The Shortening Of The Way' erinnert danach  an das, was früher einmal unter dem Banner Melodic Death Metal gefahren ist (also dem echten Melo-Death, nicht diesem modernen Krempel der eigentlich Metalcore ist).
Beachtlich ist immer wieder die virtuose Riff-Hexerei. Die Gitarrenfraktion von GOLEM kann sich auf jeden Fall dem Heartwork-Saitenhexer Michael Amott messen (auch wenn diese Aussage für viele Leser bestimmt Blasphemie ist).
Es ist schwer Songs aus dieser Scheibe herauszupicken, denn im Grunde sind sie alle wirklich gut konzipiert und technisch auf hohem Niveau. Eigentlich verwunderlich, dass mich erst diese Neuauflage mit dieser Band bekannt machen musste. Denn man kann GOLEM ohne Übertreibung als die deutschen CARCASS bezeichnen. Ob darin wiederum der Grund für das bisherige Schatten-Dasein begründet liegt, ist möglich, aber auch nicht endgültig feststellbar. Immerhin sollte die Szene groß genug sein um, zwei technisch versierte Melo-Deather mit singenden Gitarren und Grind-Schlagseite zu beheimaten. Andererseits mag es auch an der Zeit liegen. Denn als die Alben 1996 und 1998 erschienen, war mit Death Metal nur schwer ein Blumentopf zu gewinnen.
Damit die Scheiben, aber wenigstens im zweiten Anlauf die verdiente Aufmerksamkeit erhalten, lege ich euch Nahe "Eternity: The Weeping Horizons / The 2nd Moon" unbedingt mal anzutesten. Die Wahl-Berliner verdienen eure Unterstützung. Der Doppelschlag von GOLEM erscheint am 04.04.2014 über FDA Rekotz.

8,5 von 10 Punkten*

[Adrian]

*8 Punkte gibt es für "Eternity: The Weeping Horizons" und 9 Punkte für "The 2nd Moon", was im Mittel 8,5 ergibt.

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