Sonntag, 10. November 2013

CD-Review: Harm "Cadaver Christi"

FDA Rekotz startet eine Herbstoffensive und serviert uns nach der großartigen neuen Scheibe von MASTER mit "Cadaver Christi" von HARM die nächste  Portion Death Metal der alten Schule.
An heißen Old-School-Newcomern hat es ja in den letzten Jahren ja nun wirklich nicht gemangelt. Eine Menge vielversprechende Musiker haben dem Todesblei neues Leben eingehaucht und auch altgediente Haudegen haben sich wieder auf alte Stärken berufen. Warum also soll man sich mit einem weiteren Frischling beschäftigen? Diese Frage ist tatsächlich nicht ganz leicht zu beantworten, denn wer sich nicht intensiv mit Old-School Death beschäftigt kann sich leicht erschlagen fühlen und vielleicht sogar etwas überfordert zu der Aussage hinreißen lassen, dass die meisten Bands doch ohnehin nur Abklatsche von ENTOMBED, DISMEMBER, OBITUARY und MORGOTH sind.

 
Im Falle von HARM lohnt sich aber der genaue Blick. Denn sie sind eine sehr rotzige und unpolierte Todesstahl-Kapelle, die es liebt abgefuckte ASPHYX-Akzente zu setzen ('Burn The Saints' nenne ich hier mal als ein Beispiel) oder die tödliche Groove- und Doom-Walze auszupacken (beste Referenz ist hier 'Harmageddon'). Auch kann man im Sound der Berliner viel AUTOPSY heraushören, obwohl ich generell eher Abstand davon nehme die Herren in eine nationale Schublade zu stecken. Denn sobald ein Song wie 'When The Tigers Roars' mal sehr stark nach Amerika riecht, kommt kurz drauf ein Titel wie 'Nuclear Holocaust' um die Ecke, den man eher in die Stockholmer Ecke stecken würde. Nichtsdestotrotz muss ich an dieser Stelle auch ein wenig meckern. Denn gerade der zuletzt genannte Song ist doch sehr einfach aufgebaut und überrascht zu wenig. Natürlich ist es immer ein Spagat spannend zu bleiben und Songs zu schreiben, die man so noch nicht gehört hat und auf der anderen Seite sich nicht zu sehr von der Grundidee zu entfernen traditionellen Todesstahl zu spielen. 

Über die ganze Spielzeit hinweg gelingt diese Aufgabe HARM eigentlich ganz gut und man hat nicht das Gefühl noch eine x-beliebige Death-Metal-Band zu hören. Mit viel Räudigkeit und Dreck im Sound haben sie einiges auf dem Haben-Konto, aber auf der anderen Seite drängt die Truppe in eine Sparte, die gerade einen ganzen Haufen an Qualitätsbands ausgespuckt hat. Wirklich herausragende Alleinstellungsmerkmale wie virtuose Gitarrensoli oder ein kreatives Lyric-Konzept findet man nicht. Es handelt sich lediglich um ehrlichen und bodenständigen Death Metal wie er Ende der Achtziger gemacht wurde. Ohne Extras, ohne fremde Einflüsse und ohne Verwässerungen. Damit ist "Cadaver Christi" ein reinrassiger Death-Metal-Bastard der klassischen Sorte. Das ist für einen Debüt-Todesmetall-Longplayer im Jahre 2013 noch ziemlich cool, allerdings sollten sich die Hauptstädtler für die nächste Platte noch ein paar mehr individuelle Highlights einfallen lassen. Denn auf Dauer (und das gilt für die ganze Old-School-Szene) wird es nicht reichen die alten Helden aus Stockholm und Florida zu zitieren.
Seit dem 25.10.2013 kann man die Scheibe bei FDA Rekotz käuflich erwerben.

7,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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