Mittwoch, 25. September 2013

Revisited-Review: Death In June "Peaceful Snow"

Mit dem Review aus dem Archiv begebe ich mich sicherlich nicht in den friedlichen Schnee (obwohl der Albumtitel dies vermuten lässt), sondern bewege mich vielmehr auf dünnem Eis. Aber noch mal eines vorne weg: DEATH IN JUNE sind für mich keine rechte Band. Punkt! Wieso? Ganz einfach. Es gibt für mich keine eindeutigen Beweise dafür und alle Songtexte von Bandleader Douglas Pearce kann man nur mit Mutwillen und Vorsatz falsch verstehen. Auch Interviews mit dem Musiker oder anderweite Statements legen nur schwer den Schluß nahe dass es sich bei dem Briten um einen überzeugten Nazi, Rassisten oder Nationalisten à la Varg Vikernes handelt. Deswegen habe ich auch kein Problem damit seine Releases hier zu thematisieren. Das hatte ich auch schon vor drei Jahren nicht als ich das damals neue Album "Peaceful Snow"-Album rezensiert hatte. Eine tolle Platte bei der mir allerdings immer etwas gefehlt hat und zwar konkret die Gitarre (alle Songs wurden auf Piano aufgenommen). Diesen Makel konnte aber der Vorzeige-Neofolker mit seinen "The Snow Bunker Tapes" ausgleichen, die das Niveau des Materials noch mal entscheidend verbessern (sorry, aber Di6 ohne Gitarre geht für mich nicht) . Allein wegen dieser Instrumentalisierung würde diesem Release einen Punkt mehr geben als dem originalen Studioalbum, dessen 2010er Review im Folgenden zu lesen ist. 

So war das damals...
Generell hat Neofolk in Deutschland einen schweren Stand. Warum eigentlich?
Zugegeben, Neofolk spielt (wie es auch der Martial Industrial tut) mit politisch-unkorrekten Symbolen und man geht mit dem Thema "Drittes Reich" manchmal etwas (zu) locker um. Dennoch ist es zu einfach dieses Genre über einen Kamm zu scheren und ihm den "braunen Peter" anzuhängen. Denn wer Neofolk verstehen will muss zwischen den Zeilen lesen. Man muss verstehen, dass nicht alles so gemeint ist wie es besungen wird und die Mischung aus wunderschönen Melodien und teilweise martialischen Texten beabsichtigt ist, um diese ganz spezielle Wirkung zu erzielen. Da jedoch in unserer Bundesrepublik weder  linke noch rechte Spinner dies je verstanden haben, müssen gerade Bands wie DEATH IN JUNE mit Problemen und Anfeindungen leben. Ganz losgelöst von dieser Diskussion widme ich mich dem neuen Longplayer "Peaceful Snow" von Douglas Pearce.
Bereits nach den ersten Tönen fällt jedem, der mit dem bisherigen Schaffen der Band vertraut ist, auf, dass sich etwas geändert hat. Die liebliche Akustikgitarre wurde nämlich diesmal aus dem Studio verbannt und nur zum komponieren der 13 Stücke verwendet. Für die Vertonung des Materials zeigt sich diesmal Pianist Miro Snejdr zuständig, der bereits in der Vergangenheit der Di6-Fangemeinde durch Coverversionen bekannter Pearce Stücke aufgefallen war. Mastermind Douglas Pearce übernimmt lediglich die Rolle des Sängers und verleiht so den einzelnen Liedern ihre Trademarks.

 

Leise vorgetragen, mal flüsternd, mal singend predigt der Neofolk-Altmeister seine teils morbid-romantischen ('Wolf Rose') teils apokalyptischen ('My Company of Corpses') teils transzendentalen Texte vor ('Our Ghost Gather'). Abseits von Gesang und Klavier beinhalten die Songs nicht viel. So findet sich daneben ab und zu noch ein kaum hörbares Summen im Hintergrund oder das einsame Echo eines Hauchens. Alle Stücke funktionieren und bilden eine geschlossene Einheit. Auch das Fehlen der gewohnten Gitarre wird durch die wunderbaren Arrangements kompensiert. Die extreme Reduzierung und Fokussierung auf ein Instrument zwingt den Hörer geradezu dazu, noch genauer auf jeden einzelnen Ton und jeden einzelnen Vers zu achten.
Wer nach den 13 Neukompositionen immer noch nicht genug von Klavierklängen hat, bekommt auf der zweiten Disk der limitierten Version 17 Coverversionen von altbekannten Di6-Hits serviert. Auf dieser "Lounge Corps" betitelten Scheibe finden sich instrumentale Interpretationen von zum Beispiel 'Luther’s Army', 'But, What Ends When The Symbols Shatter? ' oder auch 'Rose Clouds Of Holocaust'. Auch hier muss man zugeben, dass diese bekannten Melodien auch auf dem Piano funktionieren.
Alles in allem wird die neue DEATH IN JUNE Scheibe Fans der letzten Alben kaum enttäuschen und ihnen eine ganz neue Sichtweise auf die Mitbegründer des Neofolks verschaffen. Di6-Fans der ersten Stunde allerdings, die seit den späten 1990ern nicht mehr jeden Stilwechsel von Pearce mitgemacht haben, werden wohl auch mit diesem Album unzufrieden sein. Aber wann wollte es eine Gruppe dieses Genres überhaupt einmal allen recht machen?

8 von 10 Punkten

[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar posten