Montag, 27. August 2012

Band Of The Week: GG Allin



Diese Woche richten wir uns in dieser Rubrik nach dem Kalender. Denn am 29. August wäre Kevin Michael Jesus Allin besser bekannt unter dem Namen GG ALLIN 56 Jahre alt geworden. Jedoch verstarb der streitbare Punk-Rocker bereits im Juni 1993 an einer Überdosis Heroin. Bekannt wurde der Amerikaner durch seine extremen Live-Exzesse. Nicht selten verletzte sich der Scumpunker dabei sich selbst oder prügelte sich mit den Zuschauern. Auch Exkremente gehörten zu den "Stilmitteln", die er auf der Bühne einsetzte. Außerdem haben die meisten seiner Platten unterschiedliche Interpreten-Bezeichnungen und wurden um Zusätze ergänzt wie GG ALLIN & The Murder Junkies oder GG ALLIN & The Jabbers oder GG ALLIN & The Scumfucs. Was die Thematisierung seiner Karriere etwas unübersichtlich macht.


Musikalisch gesehen ist sein Erbe dadurch eher in Vergessenheit geraten. Viele Menschen erinnern sich an GG nur wegen dieser wütenden Ausbrüche, die in vielen Mitschnitten und Live-Alben eingefangen wurden. Bei ihm war es eigentlich egal was er sang, wie er sang oder wovon der Song handelte. Es kam nur darauf an, wie er sich auf der Bühne aufführte und was er sich nun schon wieder im Sinn hatte. 
 Explemarisch reicht es übrigens ein "Studioalbum" zu besprechen, da man im Zusammenhang mit den meisten Allin-Releases im Grunde immer die gleichen Vokabeln verwenden kann. Dabei finden sich unter den vielen unterirdisch-produzierten und ultra-einfach-aufgebauten Punk-Rotz-Nummern auch echte Hits, die sich regelrecht im Gehörgang festsetzen. So ist das 97 Sekunden lange 'Die When You Die' vom 1988er Album "Freaks, Faggots, Drunks & Junkies" wohl einer der besten Song, die Allin je verfasst hat, obwohl so Sachen wie 'Dog Shit' oder 'Commit Suicide' auch ganz gut hörbar sind. Andere Tracks wie 'Crash & Burn' sind schlichtweg Noise. Man erkennt keine richtige Songstruktur, die Gesangslinien sind übersteuert und mit einem super-schlechten Mikro aufgenommen worden. Aber mal ehrlich, auch so was gehört zur Geschichte von GG ALLIN und hat wohl auch andere abgefuckte Junkies wie Kurt Cobain oder ANAL CUNT nachhaltig beeinflusst. Allin ist Grindcore ohne Grindcore zu machen. Er ist der kleine wütende Junge mit Borderline, der austestet wie weit er gehen kann und ab welchem Punkt ihn auch der letzte Mensch hasst.

Wenn man sich als GG-Neuling etwas weiterbilden will, ist die Compilation "Hated In The Nation" genau das Richtige. Hier finden sich frühe, essentielle und rare Aufnahmen. Im Übrigen ist diese Scheibe der bekannteste Output von Allin, zumindest wenn man der offiziellen GG-ALLIN-Website glauben darf.
Hier finden sich neben 'I Wanna Fuck Myself' oder 'Bite It You Scum' auch viele Live-Ansagen, die einfach nur aus Beleidigungen und Anzüglichkeiten in Richtung Publikum bestehen. So ist die erste Minute von 'Eat My Shit', in der nur eine Aneinanderreihung von Kraftausdrücken zu hören ist, schon fast unterhaltsamer als der knarzige Song, der darauf folgt. Diesem Shithead hört man jedoch trotzdem gerne zu. Kein Satz vergeht ohne Schimpfwort. Egal ob es sich um eine Ansage handelt oder ob er seine Lyrics ausspuckt (besonders hoch ist die Four-Letter-Word-Dichte bei 'Drink, Fight And Fuck'), Allin flucht was das Zeug hält.
Richtig untypisch ist da der Song 'Gimme Some Head', der auch stimmlich und produktionstechnisch schon fast klassisches Punk-Niveau erreicht, was nicht heißen soll, dass er nicht trotzdem übelst räudig ist. Aber sogar ein solides Gitarrensolo findet sich hier!
Aber mit 'Tough Fuckin' Shit' ist man im Anschluss ziemlich schnell wieder beim gewohnten Rumpel-Rotzrock angekommen, der das gesamte Album bestimmt.
Ebenso dürfen auch eine Radiowerbung für das erste GG-Album und Ansagen von seinem Anrufbeantworter nicht fehlen. Hier wird klar, dass sich Allin bei allen Exzessen selbst nie zu Ernst genommen hat und wohl auch ein lustiger Zeitgenosse sein konnte. Allerdings lässt er das in seinen Songs (zum Glück) nie durchblicken und so war er für eine gewisse Zeit der Maßstab an dem extremes Verhalten gemessen wurde. Lange bevor Möchtegern-Schock-Rocker wie Manson oder SLIPKNOT, die Gesellschaft aufgeregt haben, war GG ALLIN bereits da gewesen und hat für schlaflose Nächte bei Eltern- und Lehrer-Verbänden gesorgt. Denn er hat, wie er es im Rauswerfer von "Hated In The Nation" besingt, auf alles und jeden gepisst.
Auch wenn er tot ist, bleibt er unsterblich, weil er der Held ist, den die Musik verdient. Aber nicht der, den sie gerade braucht. Also hassen ihn viele. Weil er es vertragen kann. Und er ist kein Held. Er ist ein stinkender Rocker, ein echter Punk.
Einfach GG ALLIN! 

Rest In Peace!

[Adrian]

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