Mittwoch, 29. Februar 2012

OBSCURE INFINITY und SEKORIA: Live in Kreuztal


Um welche Band wird sich wohl der erste, reine Bericht von Totgehört drehen? Aufmerksame Leser von Todtgeburt können es sich denken. Es kann nur eine Antwort geben: OBSCURE INFINITY!
Immerhin hat diese Band mit ihren Scheiben und Live-Auftritten uns in den letzten beiden Jahren viel Material für Rezensionen geliefert und vor allem in mir die Hoffnung geweckt dass bei all dem Death- und Metalcore in unserer Region, es auch immer noch ein paar Musiker gibt, die tatsächlich extremen Metal spielen wollen.


Ähnlich wie unser kleines Magazin hat sich auch OBSCURE INFINITY in letzter Zeit reformieren (müssen). Nach dem Ausstieg von Rythmus-Gitarrist Flo und Drummer Oli, sind mit Manuel und Sascha gleich zwei neue Saitenhexer  an Board, während die verkannte Stelle am Schlagzeug von dem Ex-Basser Calle übernommen wird.
Die erste Bewährungsprobe für dieses neue Line-Up ist die Rumpelkammer in Kreuztal bei Siegen, in der man zusammen mit den Lokalmatadoren SEKORIA einen sehr kuscheligen Gig spielt. Denn der Name Rumpelkammer ist tatsächlich wörtlich zu nehmen, die irisch-eingerichtete Kneipe ist sehr eng und bietet nur wenig Platz für die Zuschauer, die an diesem Abend sehr zahlreich angetreten sind. Jedoch ist der Großteil des Publikums scheinbar nur wegen den melodischen Death-Metallern von SEKORIA gekommen. Während nämlich OBSCURE INFINITY auf der Bühne stehen, muss man dem Löwenanteil der Zuschauer jede erdenkliche Reaktion erst einmal abringen. Bei den ersten Songs des Sets scheinen die Hände der Anwesenden zusammengewachsen zu sein. Denn selbst mit Höflichkeits-Applaus sind die hauptsächlich eher im Mainstream beheimateten Zuschauer sehr sparsam. Man könnte fast meinen, dass dieser Gig die erste Berührung mit Death Metal für 95% der Zuschauer ist.
Kein leichtes Spiel also für die Westerwälder, dabei ist dieser Auftritt besonders spannend, da die Setlist fast gänzlich über den Haufen geworfen wurde. Mit 'Sacrifical Ritual' und 'Maniac Destroyer' sind zwar noch zwei ältere Songs im Programm, aber ansonsten gibt es neben zwei Cover-Versionen, nur neue Songs. Nachgespielt wird dabei zum einen das bekannte 'Evil Dead' von DEATH und das neu einstudierte 'Over The Mountain' von OZZY OSBOURNE, das von den fünf Musikern perfekt in den Death-Metal-Sound übersetzt wird (wer das nicht glaubt kann sich über das eingebettete Video selbst davon überzeugen).

Die neuen Lieder, die teilweise noch keine festen Namen haben, sind verdammt stark und machen schon jetzt Lust auf das kommende Album "Putrefying Illusions", das noch Mitte diesen Jahres erscheinen soll. Alles in allem also ein genialer Auftritt, der gegen Ende sogar die kühle Menge etwas auftauen lässt und den einen oder anderen auch dazu bringt zusammen mit dem Stammpublikum von OBSCURE INFINITY die Birne zu schwingen.
Wesentlich einfacher haben es im Anschluss SEKORIA. Die noch vergleichsweise jungen Metalheads spielen einen Mix aus melodischem Black und Death Metal, den sie mit deutschen Texten garniert haben. Das ganze erinnert an eine Mischung aus AKREA, EQUILIBRIUM und WINTERSUN und fällt beim anwesenden Publikum auf viel fruchtbareren Boden. Wohl auch, weil viele Besucher, die Siegerländer nicht zum ersten Mal sehen und mit den Tracks bereits gut vertraut sind. Es wird sich viel bewegt (soweit das in bei der Enge möglich ist) und teilweise sogar mitgesungen. Das alles ist aber nur schwer zu beobachten, denn zwischenzeitlich hat der Laden mit knapp 100 Besuchern seine Kapazität brutalst ausgereizt und wenn man nicht gerade ein Riese ist, sieht man von weiter hinten aus die Bühne, deren Erhöhung keine 30 Zentimeter beträgt, so gut wie nicht mehr. Im Grunde kann mir diese Band aber auch egal sein, denn meinen Geschmack treffen sie nicht. Der Sound ist einfach zu ausgelutscht und obwohl die Kapelle laut Setlist nur neun Tracks spielt, dauert der Auftritt gefühlte drei Stunden. Und umso länger das ganze dauert, umso gleichförmiger und belangloser klingen Songs wie 'Des Lebens Kalter Atem' oder 'An Solchen Orten'. Insgesamt haut mich SEKORIA nicht vom Hocker, aber dennoch kann zumindest regional mit melodischem Extrem-Metal eine Menge Leute hinter dem Ofen hervorlocken. 
Old-School Death Metal wie ihn OBSCURE INFINITY spielen bleibt eben Musik für Kenner und Genießer und ist eben kein massentaugliches Fast-Food, was jedem schmeckt und das ist auch ganz gut so.

[Adrian]

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